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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-02-01 · Heft 2 (1.2.1898) · p. Seite 39

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 2 (1.2.1898)
Date
1898-02-01
Page
Seite 39 (sequence 15)
Language
German
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— 39 welche die Herren des Marktes wurden und die Preise in exorbitantem Maße erhöhten. Die Hungersnot traf nach zuverlässigen Berichten lediglich die „judenreinen" Bezirke, während da, wo die Juden geduldet wurden, wie im Gouvernement Cherson, trotz der geringeren Ernte nichts von ihr zu merken war, was selbst vom Kaiser Alexander III. anerkannt wurde. Seit dem Jahr 1881 zeigte sich in Rußland auch eine stetige Abnahme des bebauten Ackerlandes, und zwar am Meisten in denjenigen Bezirken, aus denen die Juden ausgewiesen waren, ebenso eine Abnahme der indirekten Steuern in den Jahren 1882 bis 1896, und zwar betrug der Rückstand in den „judenfreien" Zonen 83 Kopeken per Kopf, in den den Juden fteigegebenen Bezirken 26 Kopeken. Mehr als die Hälfte der Bauern besitzt in den letzteren Anlagekapital und zahlreiches Bieh, sie sind dem Trunk weniger ergeben, auch ist die Kriminalität unter ihnen geringer als in den den Juden versagten Bezirken. Den Grund für diese Erscheinungen sieht Professor Chmerkine darin, daß durch die Vermittelung der jüdischen Kaufleute sich die Triebkraft des Handels und Kredits natürlich entwickelt, der Bauer aufhört lediglich der Gnade des Kapitalisten ausgeliefert zu sein, während er in den andern Bezirken ohne Weiteres den Bedingungen derer unterworfen ist, die das Monopol in Händen haben. Rußland zählt gegenwärtig 6 Millionen beschäftigungsloser Arbeiter, was, wenn man die Familien mitrechnet, 15 Millionen erwerbsloser Einwohner ausmacht. Diese Erscheinung bildet einen traurigen Gegensatz zu dem wirthschaftlichen Aufschwung, den Rußland zur Zeit der Emanzipation der Juden und bevor die Schwenkung nach der Reaktion hin erfolgte, genommen hatte, wo die Industrie bliihte, der Ertrag des Bodens stieg, der Verkehr der Eisenbahnen sich verzehnfachte, und am Meisten da, wo den Juden der unbeschränkte Aufenthalt gestattet war. Monatsschau. Der Kultusminister Dr. Hoffe hat bei dem neulich stattgehabten Schriftsteller-Bankett zn Ehren von Dr. Karl Frenzels 70. Geburtstag eine Tischrede gehalten, in welcher er von der freien Geistesarbeit sprechend die Bedeutung von Moses Mendelssohn mit folgenden Worten würdigt: „Ich darf Sie nur an die Zeit erinnern um die Mitte des vorigen Jahrhunderts, als Lessiug in Verbindung. mit Moses Mendelssohn und Nicolai hier von Berlin aus einen breiten und tiefen Strom höchster geistiger Bildung hinausfluthen ließ in die deutschen Lande." — Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Köln sprach Herr Dr. Adolf Kohut über das Thema : „König Friedrich II. und Kaiser Josef II. in ihren Beziehungen zu Juden und Judenthum." Nach mehr als anderthalbtausendjähriger

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