Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1898)
- Date
- 1898-02-01
- Page
- Seite 38 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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* '• - - f%r*M — 58 —; und Verhältnisse ins Gewicht kommen müssen, am allermeisten aber, daß die sterbliche Menschennatur den Geist oft herniederzieht von seiner Höhe. Da sollten wir doch von dem allgütigen Vater lernen Nachsicht haben und das Werk der Versöhnung und des Friedens höher stellen als leidenschaftliche Verurtheilung und gar erst das Neben des Richterthums über die Thaten eines Menschen. Gott allein ist der Richter der Wahrheit. Zu den Segnungen endlich dieses Mannes gehört, daß er bis zur letzten Stunde seines arbeitsreichen, segensvollen Lebens im Berufe thätig gewesen, und, daß ihn Gott so sanft, gleichsam wie durch einen „Kussestod" das Zeitliche segnen ließ. So scheiden wir denn von Dir mit den heiligen Gelöbnissen, Dein Andenken treu zu bewahren und Deinen Namen, der mit goldenen Lettern eingezeichnet wird in die Annalen der deutschen Kunstgeschichte, stets hochzuhalten. Wir entsenden Dich zu den immergrünenden Auen .{ des ewigen Lebens. Ziehe hin in Frieden! Gesegnet von Deiner Religion, von Deiner Familie, von Deiner Vaterstadt und Alldeutschland. „Gesegneter des Herrn" Friede und Seligkeit Deinem Geiste! Ehre Deinem Andenken! Unsterblichkeit Deinem Namen! Die Jörgen des Antisemitismus in Mußland. Den Schaden, den der Antisemitismus dem russischen Volk und Staat gebracht hat, beleuchtet Professor Chmerkine in seinem auf Grund amtlicher Quellen veröffentlichten Buche: „Les cons^quences de l’Antisemitisme en Russie, par N. Chmerkine, professeur ä l’Institut Rudy.“ An der Hand amtlicher Dokumente und mit ausführlichen Daten beweist Professor Chmerkine, daß der auf die Zeit der großen Reformen in Rußland, in der das Städteleben einen erfreulichen Aufschwung nahm und die nationale Industrie blühte, folgende wirtschaftliche Niedergang Rußlands Hand in Hand ging mit den hemmenden Beschränkungen, die den Juden seit dem Jahr 1882 auferlegt wurden, und daß die ersten Anzeichen jenes Niederganges sich schon unmittelbar nach den ersten Judenverfolgungen nach dem Tode Alexanders II. bemerkbar machten. Die Hungersnot, die einen Teil Rußlands heimsuchte in einem Jahr, wo die Ernte genügend reichlich ausgefallen war, war, wie Chmerkine zeigt, hauptsächlich die Folge der unvorhergesehenen Verbannung einer Klasse der arbeitsamsten und fähigsten Vermittler, die sich zur Aufgabe gemacht hatten, zu billigen Preisen die Lebensmittel von Orten des Urberflusses in solche, an denen Mangel daran herrschte, überzuführen. Die erste Folge der Austreibung der jüdischen Kaufleute, der Vermittler des Handels und Kredits, war die Schaffung des gefährlichsten Monopols zu Gunsten einer kleinen Anzahl übrig gebliebener orthodoxer Kaufleute