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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-02-01 · Heft 2 (1.2.1898) · p. Seite 37

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 2 (1.2.1898)
Date
1898-02-01
Page
Seite 37 (sequence 13)
Language
German
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.J-v - - -r — 37 — Rath und Fürsorge. Wir entsenden Dich „Gesegneter des Herrn," den Gott begnadet hat mit einem kühnen, ingeniösen Geiste voll Verstandesschärfe, Sach- und Fachkenntnis, schöpferisch-organisatorischen Talentes, mit einer Arbeitskraft, die an's Fabelhafte grenzte. Reich an Unternehmungen, erblickte er seine Lebensaufgabe darin, Hamburgs größtes Kunstinstitut in 23jähriger aufreibender Thätigkeit zu einer kaum geahnten Blüthe, zu einer der ersten Kunststätten Europas zu erheben. Sein Genius ließ ihn ausfindig machen, begabte Männer und Frauen, aus denen er durch weise Leitung und durch strenge Anforderungen Kunstkräste erzog, welche leuchtende Gestirne am Kunsthimmel Deutschlands geworden sind. Er forderte viel, aber er förderte mehr. Wie es in der Religion und in der Wissenschaft außer den Priestern auch Propheten gibt, die mit weitem Seher-- äuge in ihre Gebiete schöpferisch eingreifen, so wies er mit seltenem Seherblick seinen Jüngern die Bahnen, die zu ihrem Ruhme, zu leuchtendem Glanze geführt. An den Namen Pollini knüpfen bedeutende Größen im deutschen Vaterlande ihre Erfolge und ihre Namen. Er hat unserem Hamburg dadurch viel Ruhm und Ehre eingebracht und bewiesen, daß Hamburg nicht nur eine Stadt des Handels, der Gewerbe und des mächtig pulsirenden Weltverkehrs, sondern auch ein blütenreiches Gefilde deutschen Kunstlebens ist, welches der Welt nicht nur Sterne, sondern förmliche Sonnengloben unter den Meistern klassischer Rede und klassischen Gesanges an den Himmel gezanbert. Man unterschätzt gewöhnlich die Bühne auf der Höhe. Der vorüberwallende Alltagsmensch meint, das Theater sei nichts weiter als eine Heimstätte der Lust, der Freude, der Muße, des seelischen Entzückens bei süßer Passivität, das ist nicht die Bühne auf der Höhe. Diese trägt vielmehr Schwingen des Idealismus und der Begeisterung, wie für Aesthetik, also auch in hohem Maße für die ethische Willensbestimmung der lebenden Generation. Da tritt die Weltgeschichte aller Zeiten nnd Zonen uns vor die Seele. Da wogt der Pulsschlag klassischer Poesie aus der Weltlitteratur, da lauscht unser Ohr den zauberisch süßen Lauten unserer heiligen, schönen, deutschen Muttersprache. Da lachen und weinen wir mit unseren großen Dichterfürsten, da lernen wir ein Stück Religion, Begeisterung für das sittliche Ideal, für alles Hohe, Schöne, Edle und Erhabene; aber auch Verabscheuung alles Entwürdigenden, Niedrigen und Gemeinen. Nach diesen Principien waltete er seines Amtes und daher die reichen, fürstlichen Ehrenkronen und andere Erfolge. Ein Gesegneter des Herrn war er auch als ein Mensch, der in Folge seiner Stellung viel Gutes schaffen, viel Wohlthätigkeit üben konnte. Mit offenem Herzen, mit offener Hand linderte er das Elend vieler Künstler, Witwen und Waisen und einige Mal vernahm ich aus seinem eigenen Munde, wie großem Elende er zu Hülfe kommen müsse. Freilich haben Viele auf seine Mängel und Schwächen nachdrucksvoll hingewiesen, aber wo gibt es einen Menschen, der frei von diesen Schwächen wäre. In der Beurtheilnng eines Menschen vergessen so Manche, daß die Seelenkräfte, Stimmungen

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