Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1898)
- Date
- 1898-02-01
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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33 Religionswissenschaft wenig bewandert ist. Nach einer Angabe Trigaut's, der Ricci's Missionsberichte in einer Schrift „lieber die christliche Expedition bei den Chinesen" veröffentlicht hat, sollen jüdische Frauen in China sich über ein Verbot, selbst Thiere zu schlachten, das sie schon bald dem Hungertode preisgegeben hätte, bitterlich beklagt haben. Im Jahre 1613 besuchte ein anderer Missionär, Julius Alene, die Stadt Kalfungfoo, und berichtete nichts mehr, als daß er alles so gefunden habe, wie Ricci es dargestellt hat. Alvaro Semedo berichtet, er habe von einem Mohamedaner in Nanking erfahren, daß dort vier jüdische Fainilien gelebt haben, die aber bereits znni Islam übergetreten sind. In Europa riefen diese Nachrichten Bewunderung und Neugierde hervor. Man wußte doch nicht, wann die Juden sich dort angesiedelt haben, woher und wie sie dorthin gekomnien, welche Lebensweise sie führen, in welcher Form dort der Mosaismus sich entwickelt. Diese und noch viele andere Fragen mußte man ihrer Lösung entgegenführen. Die chinesischen Juden besitzen, wie berichtet wurde, eine sehr alte Bibel. Diese enthält doch — so vermuthete man — gewiß viele verschiedene Lesearten, die über dunkle Stellen ein Licht verbreiten können; die Form der Buchstaben, die Verteilung des Inhaltes, die äußere Form derselben allein schon konnte ja der Exegese und Alterthumskunde in verschiedenen zweifelhaften Punkten den lange gesuchten Aufschluß geben. Historiker, Philosophen, und Theologen waren auf nähere Nachrichten gespannt; die berühmten Orientalisten Walton und Jablonsky gaben in ihren Schriften dem allgemeinen Verlangen nach einer Abschrift aus der Bibel der chinesischen Juden ans das eindringlichste Ausdruck. Trotzdem hielt sich eine Missionsgesellschaft sechs Jahre in China auf, ohne mit den Juden in nähere Verbindung zu treten; die Besuche, welche die spanischen Missionäre Rodriguez de Tigueredo und Christian Enriquez den Juden in Kalfungfoo machten, waren ebenfalls zwecklos. 1702 kam Gozani nach China mit dem Vorsatze, über die Juden daselbst nähere Erkundigungen einzuziehen. Sein Mangel an Kenntniß der hebräischen Sprache und andere eingebildete Schwierigkeiten hielten ihn zwar anfangs von der Ausführung seines Vorhabens ab; im Jahre 1704 reiste er aber zufolge einer aus Rom erhaltenen Instruction nach Kalfungfoo. Dort knüpfte er mit den Juden freundliche Beziehungen an; sie besuchten ihn; er kam in ihre Synagoge, als gerade alle zum Gebete versammelt waren; man zeigte ihm die Bücher, die sich dort befanden, und führte ihn in eine Abteilung, die sonst nur der Rabbiner betreten durfte; er erhielt wichtige Aus- .künfte über ihre Schriften, ihre Geschichte und über die bei ihnen geltenden religiösen Bräuche und Ceremonien. Gozani copirte auch die auf den Mauern angebrachten Inschriften und sendete die Copien nach Rom. Noch lieferten später Domen^e einen Abriß der Synagoge und Gaubil abermals eine Copie der