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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-02-01 · Heft 2 (1.2.1898) · p. Seite 32

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 2 (1.2.1898)
Date
1898-02-01
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 Kalfungfoo, der Hauptstadt der Provinz Honan. Er sagte, er sei nur, um die Prüfung zur Erlangung eines Mandarinen-Postens abzulegen, nach Peking gekommen, aber Neugierde und eine gewisse Ahnung der Verwandtschaft habe ihn zu einem Gange in das Missionshaus bewogen. Aus seinen Aussagen ging hervor, daß in seinem ebengenannten Wohnorte zehn oder zwölf israelitische Familien sich aufhalten, daß sie einen schönen, noch nicht lange her mit einem großen Kostenaufwande restaurirten Tempel besitzen, in welchem sich eine fünfhundert Jahre alte Gesetzesrolle befinde; in der Hauptstadt der Provinz Bhekeang, Hangchowfoo, leben, wie er weiter sagte, noch viel mehr Juden, welche ebenfalls ein Gotteshaus besitzen. Dieser chinesische Jsraelite war auch mit der biblischen Geschichte ziemlich bekannt, sprach aber deren Namen in ganz eigenthümlicher Weise aus. In einer hebräischen Bibel, die Ricci ihm vorzeigte, konnte er nicht lesen, wiewohl ihm die Schriftzeichen nicht fremdartig schienen. Mit seiner Angabe, daß das Studium der hebräischen Sprache bis jetzt noch immer von dem Volke betrieben würde, und daß sein Bruder darin bedeutende Fortschritte gemacht habe, verband er das Geständniß, daß er aus Vorliebe für die chinesische Sprache, welche ihm schon eine Rüge des Rabbi eingebracht, die Sprache seines Volkes vernachlässigt habe; sein Ehrgeiz, dem in China kein Ausnahmsgesetz entgegentrat, hat von dem Studium der ersteren auch viel mehr zu erhoffen. Drei Jahre hierauf entsendete Ricci einen zum Christenthume bekehrten Chinesen nach Kalfungfoo mit dem Aufträge, die Wahrheit der von dem Israeliten gemachten Angaben näher zu untersuchen. Der Bote, der sich seines Auftrages mit Treue erledigte, bestätigte das dem Missionär bereits Bekannte und brachte die Endworte der fünf Bücher Mosis abschriftlich mit sich. Ricci verstand das Hebräische nicht, aber um so besser das Chinesische. In dieser Sprache richtete er ein Schreiben an den Rabbiner von Kalfungfoo, worin er ihm anzeigte, daß er alle Bücher des alten Bundes besitze, wie auch die des neuen, in welchem die Thaten des bereits erschienenen Messias erzählt werden. Der Rabbi hatte nichts Angelegentlicheres zu thun, als das Schreiben zu beantworten. „Der Messias", schrieb er, „ist noch nicht gekommen: es ist vielmehr sicher und gewiß, daß er erst in zehntausend Jahren kommen wird." Der Ruf des geehrten Schreibers sei übrigens schon zu ihm gedrungen, und er sei bereit, ihm die Leitung der Synagoge zu übertragen, wenn er sich nur des Schweinefleisches enthalten und in der Gemeinde wohnen wollte. Andere drei Juden, die der Missionär, um sie seinem Glauben zu gewinnen, vergebens mit einem in chinesischer Sprache geschriebenen Compendium der christlichen Glaubenslehre beschenkt hatte, schilderten ihre Gemeinde als dem Untergänge nahe, einerseits wegen der Vernachlässigung der hebräischen Sprache, und andererseits, weil ihr Rabbiner schon längst in einem hohen Alter gestorben sei und als Erben seiner Würde einen Sohn zurückgelassen habe, welcher in der jüdischen

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