Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 2 (1.2.1898)
- Date
- 1898-02-01
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Herkunft an sich tragen: es sind von ihrer Heimat versprengte jüdische Stämme, die sich zu unbekannten Zeiten in jenen Gegenden angesiedelt und heimisch gemacht, unter Völkern, die sich der Rasse und Religion nach von ihnen unterscheiden, ihren Stammcharakter geschützt und erhalten haben. In auffallender Weise bekundet sich aber der Kosmopolitismus des jüdischen Volkes im Bunde mit dem instinctiven Streben nach Erhaltung des Nationalgeistes bei den Juden, die in China leben. Unter den Chinesen, welche zu einer über die weltgeschichtliche Erinnerung weit hinausreichenden Zeit aus der menschlichen Gesammtentwickelung herausgetreten, und aus sich eine von derselben völlig unabhängige Cultur herausbildeten, unter diesem Volke, das ein Dritteil der Bewohner Asiens ausmacht, das kein fremdes Volkselement in seinem Lande duldet, unter diesem Volks leben Juden, die mit ihren übrigen Glaubensgenossen seit ihrer Ansiedlung in China nicht in Verkehr gestanden sind, und doch die jüdische Lehre Jahrhunderte hindurch erhalten haben. Ein Absenker des jüdischen Stammes in dem Lande des Hoangho und des Jantsekiang verdient es wohl, daß wir ihm unsere Aufmerksamkeit zuwenden. Die erste Kunde von Juden in China erhielt der Missionär Matthäus Ricci. Im Jahre 1602 bot sich ihm nämlich ein Mann dazu an, ihm aus der neulich in der Hauptstadt Peking veröffentlichten statistischen Liste die Anzahl jener Fremden anzugeben, welche, obwohl nicht Mohamedaner, doch den Einen Gott verehren. Ricci führte ihn in das Missionshaus; der Fremde trat ein und gab sich im Laufe des Gespräches für einen Glaubensgenossen seines Gastgebers aus. Dieser überraschenden Erklärung mochte der Missionär anfänglich keinen Glauben schenken, da er aber, den Fremden mit Aufmerksamkeit betrachtend, in seinen Gesichtszügen einen von dem chinesischen gründlich verschiedenen Typus gewahrte, so wurde ihm dies doch wahrscheinlicher, und er ließ den Fremden in die Missionskapelle eintreten, um zu sehen, wie er sich an dem Orte, der ihm doch gemäß seiner Aussage heilig sein sollte, verhalten werde. Der Missionär, der ihn begleitete, verbeugte sich nach christlichem Gebrauche vor einem über dem Altäre der Kapelle hängenden Bilde, welches den Stifter der christlichen Lehre und den vor ihm knienden Johannes darstellte; der Fremde that es ihm wohl nach, bemerkte aber zugleich, er wäre nie gewohnt gewesen so zu handeln, aber hier könne er nicht umhin, dem Lande seiner großen Ahnen die gebührende Verehrung zu zollen. Ist dies nicht ein Bild der Zwölf? fragte der Fremde, als er in derselben Kapelle neben dem Altäre ein Bild der vier Evangelisten bemerkte. Ricci bejahte dies und bemerkte, daß dies „Apostel" wären. Im Verlaufe des Gespräches stellte es sich zu Ricci's Verwunderung heraus, daß der Fremde ein Jsraelite sei, der die Bilder sich nach eigener Vorstellung erklärt hatte; das erste hielt er für eine Darstellung der Rebekka, vor der Jakob niederkniet; in dem zweiten glaubt er ein. Portrait von vier Söhnen Jakob's zu sehen. Er bezeichnet sich selbst als einen Israeliten — den Namen „Jude" kannte er nicht — Namens Ngai aus