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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-02-01 · Heft 2 (1.2.1898) · p. Seite 30

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 2 (1.2.1898)
Date
1898-02-01
Page
Seite 30 (sequence 6)
Language
German
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30 politischen Traktat" und Spinoza's Stellung zum Judenthume wie folgt: „Zwar ist es gewiß nicht zu verkennen, daß darin (in dem theologisch-politischen Traktat) zahlreiche Gedanken der großen jüdischen Theologen verwerthet sind und als Studien dem Werke direkt zu Grunde liegen, und auch das ist nicht zu leugnen, daß Spinoza in begreiflicher Erregtheit gegen die Feinde seiner Ruhe die leise Abhängigkeit von der jüdischen Theologie, in welcher er sich noch immer befand, weiter, als er berechtigt war, von sich zu weisen suchte: aber mit dem Grundgedanken dieses Buches steht ^r doch völlig frei und selbständig in origineller Größe da, und der radikale Einschnitt, welchen er zwischen der Religion und Wissenschaft macht, indem er dem religiösen Dogma allen Erkenntnißwerth abspricht, um ihm desto ungehemmter die moralische Wirksamkeit zu eröffnen — der ist seine eigenste That. Für jenes Evangelium einer Religion, welches keine Erkenntniß geben, sondern nur sittliche Menschen erziehen will, für jenes Evangelium einer Religion der Moralität, welches Lessing und Kant verkündet haben, ist Spinoza der Johannes — der Prediger in der „Wüste." Weber die Juden in KHina. Es ist ein unverwüstlicher Charakterzug des jüdischen Stammes, daß er, obwohl in die entlegensten Länder geworfen, immerdar und überall die in ihm ruhenden Anlagen und Geistesgaben sowohl, als auch die aus denselben hervorgehenden Eigenthümlichkeiten mit eiserner Zähigkeit festhält und gegen völlige Vertilgung bewahrt. Dabei hat er sich aber nie fremden Einflüssen entzogen, ja er ist in die Denk- und Lebensweise der Völker, unter denen er lebte, friedlich eingegangen und hat sich selbe, wenn sie seiner Geistesrichtung zusagten, nicht selten völlig angeeignet. Die national-religiöse Idee ist nicht so wie bei anderen Stämmen an die Gesammtheit gebunden, und wurzelt so mächtig in den Herzen der einzelnen Volksglieder, daß ihre Saaten überall aufschießen und die Frucht liefern, von der ihre Pfleger zehren und dadurch sich in dauerndem Bestände erhalten. Die Geschichte des jüdischen Volkes weist auch nicht ein einziges Beispiel auf, daß eine größere oder kleinere Gesammtheit von Individuen sich bewußtlos in den Strom der Geschichte hineinreißen ließ und jede Spur seiner Herkunft verlor oder aufgab. Man hat in Abyssinien, Indien und Jnnerasien zu wiederholten Malen Volksstämme angetroffen, die in ihren Sitten und Bräuchen eine auffallende Verwandtschaft mit den Juden bekunden, unverkennbare Spuren ihrer

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