Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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^«-«-" **t -irr- -- - - .*--*■ -*- V - ' ^-r-^v.^^yv^T' — 22 — lieb macht, ist die jeder tendenziösen Verzerrung baare, auf gründliche Lokalkenntnis beruhende Schilderung wirklicher Zustände. — Kürzlich spielte in der Singakademie zu Aerlin der 12 jährige Biolonist Leopold Przemysler, welcher bereits früher vor dem Berliner Publikum stand. Das äußerlich sehr zarte Kind macht in seinen Leistungen einen für seine Jahre merkwürdig entwickelten Eindruck. Die sonst bei sogenannten Wunderkindern übliche Geziertheit im Auftreten und Spiel fehlt bei ihm erfreulicher Weise durchaus. Er ist offenbar in ausgezeichneter Weise unterrichtet, und das in hervorragendem Maße vorhandene Talent auf das sorgfältigste gebildet worden. — Aus München berichtet man: Der Wiener Componist Alexander Zemlinsky, ein noch sehr junger Mann hat jüngst am hiesigen Hoftheater einen großen, wirklich unbestrittenen Erfolg errungen. Seine dreiactige Oper „Sarema", welche hier gelegentlich der vorjährigen Preisausschreibung einen Preis davon getragen hatte, ist das Erstlingswerk eines ausgesprochenen Talents, und man kann sagen, daß in dem stürmischen Beifalle, der den ganzen Abend hindurch herrschte, eben die Freude Ausdruck fand, einem wirklichen Talent auf der Spur zu sein. Zemlinsky hat seinen guten Geschmack schon durch die Wahl eines wirksamen Textes bewiesen. Derselbe ist dem Gottschall'schen Gedichte „Die Rose von Kaukasus" entnommen, von Arnold Schönberg dramatisch bearbeitet und hat dem Componisten reiche Gelegenheit geboten, seine musikalische Begabung und seinen scharfen Blick für die Bühne zu documentiereu. Zemlinsky individualisirt kräftig in dramatischer wie in musikalischer Hinsicht. In letzterer zeigt Zemlinsky, so berichten Münchener Blätter, daß er die Compositionstechnik der Neuzeit vollauf kennt und sicher beherrscht; er hat sich ihre Errungenschaften zu eigen gemacht, ohne dabei seiner Eigenart verlustig zu werden. Diese Eigenart besteht neben durchans theatralischen Empfindungen in einem frischen und gut entwickelten Sinne für natürliche Melodik. Dabei ist die Harmonisation wie die orchestrale Stimmenführung durchaus Modern und farbenprächtig und berücksichtigt fast iminer die Möglichkeit des Hervortretens der menschlichen Stimme. — In Klinik ist der Vater des Wiener Obercantors Josef Singer, Herr Israel Zinger, iu hohem Greisenalter gestorben. Mit ihm ist der Nestor der Hliniker Gemeinde, deren Stolz und Zierde er war, und der älteste der jetzt lebenden Cantoren dahingeschieden. In seinen Jugendjahren war Singer Chorist bei Dowidel Brod und Jtzegel Kanarik, und als Vorbeter fungirte er im Geiste und Sinne seiner Lehrmeister. Er war auch genügend musikalisch gebildet, um einen der ersten Synagogenchöre Ungarns zu creiren, zu einer Zeit, da man in Ungarn an diese Einführung noch nicht dachte. — In der „Illustrierten Zeitung" Nr. 2837 findet sich eine Originalzeichnung von Richard Fuchs: Aus Tunis; Nächtlicher Hochzeitszug einer vornehmen Jüdin, die einen festlichen Hochzeitszug darstellt, der sich nächtlicherweile durch die Straßen von Tunis bewegt. Die Aruhsza (Braut) schreitet geführt von einer älteren Freundin unter dem Kib, dem gelbweißen schwerseidenen Baldachin dahin. Der Haik, der lange kostbare Schleier.