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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-01-01 · Heft 1 (1.1.1898) · p. Seite 23

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 1 (1.1.1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 fein wie Spinngewebe umgiebt die jugendliche Gestalt. Das Costüm ist reich mit Gold und Perlen bedeckt, hinter der Braut schreitet der Kisfenträger, der ein goldgesticktes Purpurkissen trägt, an das die Braut das Haupt lehnt; neben ihm trägt ein jugendlicher Verwandter einen Stuhl, auf dem die Braut von Zeit zu Zeit sich niederläßt, damit sie Alle anstaunen können. Trommler und Pfeifer gehen mit, die in schriller Weise aufspiele» und die Jugend mit Halloh und Heidih. Fackeln beleuchten magisch das Bild, am dunklen Himmel der zunehmende Mond. Uralte Gesänge der Hochzeitsgäste, Freudengeschrei der Frauen und ihr taktmäßiges Händeklatschen, die mit langgezogenen Lililili der Braut zujubeln und Segenswünsche der ganzen Gemeinde begleiten die Braut in ihr neues Heim. — Die königliche Akademie der Künste in Derlin schreibt im „R. A." den Wettbewerb um die Preise der beiden Michael Beerschen Stiftungen für das Jahr 1898 ans. Jeder der Preise besteht in einem Stipendium von 2250 Mark zu einer einjährigen Studienreise nach Italien. Als Bewerber sind zum ersten , Maler (aller Fächer) jüdischer Religion, zum zweiten Preis Kupferstecher aller Konfessionen zugelassen. Ablieferungsfrist der Konkurrenzarbeiten ist der 25. Februar 1898. — In London wird ein großes jüdisches Theater eröffnet werden, in welchem im Jargon gespielt werden soll. Der Direktor wird Mr. M. Kosenthal sein, der mit seinen jüdischen Opern im Ostend Londons eine so gute Aufnahme gefunden hat. Meferate und Mitteilungen. Im Verlage von E. Pierson (Dresden und Leipzig), ist erschienen: Ludwig Ferdinand Neubürger's gesammelte Werke Pr. 5 Mk. Wir sind dem Herausgeber für diese wertvolle Gabe zu Dank verpflichtet, da wir dadurch einen Einblick aewinnen in das - Geistes- und Gemütsleben eines reichbegabten Dichters, der sicherlich noch mehr geleistet hätte, wenn er nicht einem Lebensberufe seinen Tribut hätte entrichten müssen, für den Poeten im höheren Sinne sich denn doch nicht gut eignen. Was Neubürger auszeichnete, war scharfer Blick, lebhafte Phantasie, tiefes Empfinden und die Gabe, die Begeisterung, von der er leicht ergriffen wurde auf Andere zu übertragen. Von einer neuen Seite lernen wir den Dichter in seinen Briefen aus Wien, woselbst er sich 1859—1865 aufhielt, kennen, sie geben Zeugnis von einer feinen Beobachtungsgabe, von einer edlen Sinnesweise und von warmer Pietät, wie sie den Eltern besonders der Mutter gegenüber, einer ebenso hochdenkenden wie begabten Frau zum Ausdruck kamen. Die Dramen zeichnen sich durchweg durch echt humane Gesinnung, durch scharfe Charakterzeichnung, durch vornehme Sprache aus, die, wenn sie auch an Stoffe der Vergangenheit sich anlehnen, doch stets stark das Leben der Gegenwart treffen. Die Tagebuchblätter, Aufsätze, Charakteristiken und Kritiken zumeist über dramatische Aufführungen werden immer gerne und mit Nutzen gelesen werden und sind es besonders letztere, welche

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