Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969851-2969853--5288-2974583- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7 .—.. •woktkuijot.,.. — 17 — Schönheit der Sprache verbunden mit einer wohl unerreichten Kraft der AuSdrucksweise. Auf den Inhalt der einzelnen Psalmen eingehend bewies Redner an zahlreichen Beispielen, in welch' seltener vollendeter Weise die Psalmen allen GemüthSstimmungen gerecht werden, wie sie für alles den passendsten Ausdruck finden, was seit Jahrtausenden das Menschenherz bewegte. Die Psalmen spiegeln wider das Gemüths- und Volksleben des jüdischen Volkes, seine Gotteserkenntniß und sein tiefes Erfassen des Wesens Gottes. In den Psalmen offenbart sich die höchste Lebensweisheit, verbunden mit einer abgeklärten, idealen Weltanschauung. Einzelne Stellen in den Psalmen, die Redner mit kritischen Augen betrachtete, erklären sich aus dem Geiste der Zeit ihrer Entstehung und der damals obwaltenden Verhältnisse, sie vermögen aber den Gesammtwerth dieser hervorragendsten Schöpfungen des menschlichen Geistes nicht zu beeinträchtigen. In den Psalmen erblicken wir die Wiedergabe der sittlichen und religiösen Weltanschauung des israelitischen Volkes, sie sind zum Gemeingut geworden der ganzen civilifirten Welt und werden ihren hervorragenden Platz in der Weltliteratur behaupten für alle Zeit. Wir verehren in den Psalmen den Ausfluß göttlichen Geistes, welcher der Gesammtmenschheit in der vollendetsten Form als ein ewiges Erbtheil dargereicht wurde. — Die Direktoren der höheren Mädchenschulen, die Rektoren der Gemeindeschulen sowie die Vorsteher der städtischen Privatschulen in Kerlin haben von der städtischen Schuldeputation folgendes Schreiben erhalten: „Der Herr Minister der geistlichen Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheit hat angeordnet, daß sich die Leiter der Schulen von jedem die Schule besuchenden Kinde jüdischer Religion innerhalb des schulpflichtigen Alters eine bescheinigte Nachweisung darüber erbringen lassen, daß und von wem dasselbe Religionsunterricht in seinem Glauben erhält. Im Anschluß an diese Anordnung veranlassen wir Sie im Aufträge des königlichen Provinzial- Schulkollegiums, ein Verzeichniß derjenigen jüdischen Kinder, welche die von Ihnen geleitete Anstalt besuchen und keinen jüdischen Religionsunterricht erhalten, hierunter aufzustellen und binnen sechs Tagen an uns einzureichen." — Der Landrath des Kreises Fraustadt-Lijsa, Herr v. Hellmann, welcher der bekannten Breslauer Bankier- Familie Heimann entstammt, ist zum Polizeidirektor der Stadt Posen ernannt worden. Wegen seines liebenswürdigen Entgegenkommens, welches keinen Unterschied der Konfessionen kannte, wird sein Scheiden allgemein bedauert. — In Hagenau (Elsaß) starb Herr Rabbiner Hloch. Der Entschlafene hat lange Jahre die Rabbinerstelle daselbst verwaltet. — Der Nestor der deutschen Sprachwissenschaft Prof. Dr. H. Steinthal in Kerlin feierte jüngst sein 50 jähriges Doktorjubiläum. Im Namen der Berliner Universität, welcher der Gelehrte 47 Jahre hindurch seine Lehrkraft gewidmet, hat, erschien der Rektor Schmoller. Die philosophische Fakultät hatte eine große Abordnung entsandt, bestehend aus dem Dekan Geh: Rat Kekule von Stradonitz und den Professoren Weinhold, Dilthey, Tobler, Albrecht Weber und Johannes Schmidt. Als „alter Freund" nahm nach dem Dekan, Prof. Albrecht