Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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16 I in Memel, der sein Amt seit November 1865 bekleidete, scheidet mit dem 1. April 1898 aus seiner Stellung, um nach Bonn zu übersiedeln — In Derlin wurde von einer Versammlung die Gründung eines Vereins zur Beförderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands beschlossen. — In Frankfurt a. M. fand ein Delegirtentag der Zionisten Deutschlands statt. Die Versammlung war von 41 Delegirten ans Berlin, Bingen, Köln, Frankfurt, Mannheim, Mainz, Darmstadt, Heidelberg, München und Straßburg besucht. Es wurde eine einheitliche Organisation unter dem Namen „Zionistische Vereinigung für Deutschland" geschaffen, die im Sinne des Baseler Programms die zionistische Idee fördern soll. Der Statutenentwurf der Kölner Ortsgruppe ivurde fast einstimmig angenommen, lieber Agitation hielten die Herren Dr. Schauer-Bingen und Fabius Schach-Köln Referate und es wurde eine Kommission zur Ausarbeitung eines Agitationsplanes ernanntj Die Leitung der neuen Organisation liegt in den Händen eines 7 gliedrigen Centralkomitees, bestehend aus den Herren: Dr. Bodenheimer-Köln, Rabb. Dr. Rülf- Memel, Universitätsprofessor Schapira-Heidelberg, Rechtsanwalt Dr. Schauer-Bingen, Privatgelehrter Lipniann Prins-Frankfurt a. Bi., Kaufmann Wolfssohn- und Schriftsteller Fab. Schach-Köln. — Die „Literarische Gesellschaft" in Potsdam eröffnete am 1. Oktober ihre Versammlungen mit einem Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Rieger über „Die Culturgeschichte der deutschen Juden im Mittelalter". Es war die Zeit der Verinnerlichung des Judenthums in Deutschland, wo seine Scholaren weit nach Spanien und Italien zu den berühmten Magistern der Gottesgelehrtheit hinauszogen. Das Auftreten eines jüdischen Minnesängers, Süßkind von Trimberg, und einer jüdischen Dichterin. Litte von Regensburg, ferner das Erscheinen jüdischer Ausgaben der Sagen vom Schmid, Wiland, Tristan und Isolde, Eulenspiegel u. a. beweist die Vertrautheit der jüdischen Bevölkerung mit deutscher Sprache und Sitte. — Herr Professor Dr. Eornill aus Königsberg hat in Köln im Verein für jüdische Geschichte und Literatur die Reihe der Vorträge eröffnet. Er sprach über: „Die Psalmen in der Weltliteratur." Zur Weltliteratur zählen solche literarische Schöpfungen, deren Werth und Bedeutung sie zum Gemein« gut aller Menschen machen. Der Umfang ihrer Verbreitung fällt hierbei weniger in's Gewicht, als ihr geistiger Inhalt, als ihr innerer Werth, der auch von Solchen gewürdigt und begriffen werden kann, die anderen Nationen angehören, einer anderen Weltanschauung huldigen. Da die Psalmen als hervorragendste Gebilde des menschliche» Geistes, als Ergebnisse reichster Weltanschauung und Erzeugnisse der Erkenntniß aller denkbaren Vorkommnisse des menschlichen Lebens und des Begriffes des Göttlichen zu gelten haben, dürfen sie den großartigsten Schöpfungen der Weltliteratur unbedingt zugezählt werden. Als solche wurden sie erkannt und gewürdigt von den größten, epochemachenden Bahnbrechern der Literatur. Herder, Göthe und Alexander von Humboldt erkannten den hohen unvergänglichen Werth der Psalmen für die Weltliteratur, priesen ihren Gedankenreichthum und die