Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 wieder auf das eine Thema zurückzukommen, uns zu beweisen, daß sie bis in das kleinste gesetzestreue Juden seien. Sie sind auch ganz beleidigt, wenn man sie Subotniki nennt, sie wollen durchaus als richtige Juden betrachtet werden. Seit der letzten russischen Volkszählung sind sie auch staatlich als Juden anerkannt worden. Mitten unter den russischen Gesichtern bemerkte ich in der Synagoge das scharfgeschnittene Gesicht eines persischen Juden. Beim Schluß des Gottesdienstes begrüßte ich ihn in hebräischer Sprache, worüber er sehr überrascht und erfreut war. Wonatsschau. Der freisinnige Verein für jüdisches GemeiKdeleben in Frankfurt a. W. versendet seinen sechsten Jahresbericht. Wir heben aus demselben hervor: Unter dem Einflüsse der antisemitischen Bewegung vollzieht sich eine Scheidung im Judenthum, die viel bedenklicher ist als diese Bewegung selbst, und die, wenn nicht bald eine Wendung eintritt, zu verhängnißvollen Folgen für das Gesammtjudenthum führen muß. Während auf der einen Seite viele gleichgiltige Elemente sich durch den Religionswechsel den Unannehmlichkeiten der antisemitischen Strömung zu entziehen suchen, wächst auf der anderen Seite die Tendenz, die Kraft der Orthodoxie zu stärken, und diese Tendenz wird durch national-jüdische, selbst zionistische Strömungen begünstigt. Daß das kraftvollere, rücksichtslosere Auftreten der Orthodoxie aber wiederuni die Wirkung hat, zahllose gebildete Elemente abzustoßen und sie dem Judenthun» ganz zu entfremden, liegt ans der Hand und ebenso, daß dadurch die Gefahr vermehrt wird, die Intelligenz im Judenthmn nur »nehr zurückzudrängen, sofern sie nicht ganz hinausgedrängt »vird. Bei dieser Sachlage sind die liberalen Kreise, denen die Erhaltung eines freisinnigen, mit der Zeit fortschreitenden, der Bildung unserer Tage entsprechenden Judenthums am Herzen liegt, in einer schwierigen Lage. Auf der einen Seite von der Orthodoxie bedroht, auf der anderen von denen im Stich gelassen, für »velche sie arbeiten, wird es für sie immer schwieriger in treuer Pflichterfüllung auszuharren. Sie dürfen aber trotz der sich bietenden Sch>vier»gkeiten die Fahne nicht verlassen, da ihrer Ueberzeugungnach der Sieg der Orthodoxie den Untergang des Judenthums bedeuten »vürde, und sie arbeiten weiter in der Hoffnung, daß es schließlich doch gelingen werde, der Gleichgiltigkeit Herr zu »verden, die der stärkste Bundesgenosse der Orthodoxie ist. Je größer die Gefahren sind, die dem Liberalismus drohen, um so nothwendiger wird die Organisation der freisinnigen Kreise, wird der Bestand freisinniger Vereine. Diese Erkenntniß hat nun auch in Berlin zur Gründung eines den, unseren ähnlichen Vereines geführt, an dessen