Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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11 „Wenn Sie das laut singen nennen, wäre ich begierig, Ihr Flüstern zu hören." Und so ging es fort. Waren aber die Proben zu Ende, dann verwandelte sich der Menschenfeind in einen Engel. Dann öffnete er die Thüren zur Schatzkammer seines Herzens angelweit und zeigte sich als Freund, Berather und Retter. Wie mit den Perlen seines Talentes war er mit seinem Vermögen freigebig. Ueber die erste Vorstellung der Oper „Die Maccabäer" ist bereits wiederholt geschrieben worden. Man wird es hoffentlich nicht als Phrase deuten, wenn ich sage, daß ich während meiner ganzen Bühnenlaufbahn noch nie so aufgeregt war wie an diesem Abend. Ich hatte mein ganzes Sein in diese Rolle gelegt, und als der Vorhang zum letzten Male niederging, hatte sich meiner eine früher nie gekannte physische und moralische Abspannung bemächtigt. Rubinstein war zufrieden. Und ich? In einem Gedichte Seidl's kommt die Stelle vor: „Da hat mein König mir zugelacht Und mir ein Compliment gemacht." Ich glaube, Rubinstein hat es ebenso gemacht. . So lange der Meister in Berlin weilte, getraute sich Eckert nicht, Striche anzubringen. Nach der sechsten Aufführung nahm man sich einige „Freiheiten". Der Componist mochte davon erfahren haben, denn eines schönen Abends tauchte er plötzlich in der Oper wieder auf. „Sie haben also^doch gestrichen?" donnerte und blitzte er mich an. „Es mußte sein,"verzeihen Sie mir, aber ich war schon ganz hin." Mit diesem Einwurfe wollte ich die Wolken seines Unmuthes zerstreuen. „Besser die Sängerin ist hin, als die Dper," grollte er weiter, um schließlich seine Einwilligung in liebenswürdigster Form zu ertheilen. Eine Woche später erhielt ich aus Peterhof folgenden Brief. „Liebe Brandt! Sie sind doch ein ganz famoser Kerl. Ich weiß aus eigener Anschauung, wie vortrefflich Sie als Lea sind und höre fortwährend von Musikkennern Ihr Lob singen. Wie schade, daß Sie nicht überall die Lea singen können. Meine Oper würde davon sehr profitiren. Uebrigens bin ich damit zufrieden, daß die Berliner den richtigen Eindruck empfangen haben. Nochmals besten Dank von Ihrem Anton Rubinstein. So war er, der gottbegnadete Mensch, wie der Diamant, voll Ecken, die aber in hellstem Feuer sprühten.