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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-01-01 · Heft 1 (1.1.1898) · p. Seite 10

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 1 (1.1.1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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'Vf r- *t -»r **'f* — 10 — Welche grandiose Rolle! Schwierig bis zum Uebermaß. Durch Nacht zum Licht! Zuerst versuchte ich dem dramatischen Gehalte der Rolle gerecht zu werden. Ich studirte aus Otto Ludwig's Trauerspiel „Die Maccabäer" den Charakter der Heldenmutter und trachtete mir ein Bild von ihr zu construiren, welches der dichterischen Anschauung nahekam. Während dieser meiner Beschäftigung mußte ich einem ehrenvollen Rufe nach Königsberg Folge leisten, um dort zu wohlthätigen Zwecken zu singen. Zufällig erfuhr ich, daß in Königsberg ein alter Rabbiner wohne, der genaue Kenntniß habe von den alten Gebräuchen der Juden. Als Lea hatte ich einen Segen zu sprechen, und da ich nach jeder Richtung hin charakteristisch sein wollte, war ich bestrebt, mich über die bei Segenssprüchen üblichen Ceremonien — Hand- und Körperbewegungen — zu informiren. Der alte strenggläubige Priester machte Schwierigkeiten. Etwas mehr Glück hatte ich beim Cantor, der mich mit einigen rituellen Gesängen vertraut machte. Er lud mich ein, einer Andacht in der Synagoge anzuwohnen, und als ich dahin kam, konnte ich genau sehen und hören, in welcher Weise der Segen ertheilt wird. Ich prägte mir den Vorgang genau ein uild hatte auch das Glück, vom Professor Gustav Richter, einem gründlichen Kenner des Orientes, eine Ungemein poetische Zeichnung eines Costümes aus der Hasmonäerzeit zu erhalten. Bei den Proben ging es ungemein lebhaft zu. Rubinstein zitterte an Händen und Füßen vor Aufregung. Bald war er im Orchester, bald auf der Bühne sichtbar. Jetzt gab er den Primgeigern eine kleine Lection, dann unterwies er die Choristen und Statisten ... er war unermüdlich und von einer oft geradezu frappirenden Feinheit des Urtheiles. Es gab auch wiederholt lustige Intermezzi. Die Choristen sangen einmal eine Stelle mit allzustarkem Nachdruck, was den Reggisseur, der Rubinstein nicht im Hause wähnte, zu folgender laut vorgebrachten Bemerkung veranlaßte: „Meine Herren! Glauben Sie, daß Sie in einer Oper singen? Das ist ja ein Oratorium! Also weihevoller, inniger!" Wie ein Racheengel tauchte plötzlich der Compositeur auf und machte dem Regisseur mit ziemlich scharfen Worten begreiflich, daß „Die Maccabäer" kein Oratorium sind. Ich hatte auch meine liebe Noch mit ihm. „Fräulein Brandt, Sie singen ja nicht, Sie flüstern," schrie Rubinstein aus dem Orchester mir zu. „Verzeihen Sie, ich singe ja doch," erwiderte ich. „Schon möglich, aber ich höre Sie nicht." „Singe ich nicht laut genug?"

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