Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 18 (1898)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1898)
- Date
- 1898-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ich mit Euch spielen und werde euch zeigen, daß ich's besser verstehe, als Ihr Alle zusammen." Er ließ sich an dem kleinen Tische nieder, neben dem er bisher gestanden hatte. Der Tisch war sichtlich vor dem Eintreten des Rabbi von Kartenspielern besetzt gewesen; es brannte noch das Licht darauf, und die Untertasse, welche den Einsatz enthalten hatte, stand daneben, natürlich leer. „Wenn der Rabbi mit uns zusammen spielen will," nahm nun einer der Herren das Wort, „so werde ich als der Jüngste austreten." Drei andere Herren setzten sich an den Tisch- „Austreten? Nichts von Austreten! Es ist ja noch Platz am Tische!" „Aber dann sind wir Fünf, und das Spiel kann doch nur unter Vier gespielt werden!" „Seht Ihr, daß ich besser zu spielen verstehe, als Ihr? Das Spiel kann auch unter Fünf gespielt werden; das werde ich Euch lehren." Der Fünfte setzte sich zögernd ebenfalls an den Tisch. „Aber," sagte der Rabbi, „niedrig spiele ich nicht, ich setze 2 Dukaten. Den vier Herren war das recht; bald lagen 10 Dukaten in der Tasse. Man mischte die Karten. „Will der Rabbi die Karten geben?" „Nein, das mag niein Nachbar zur Linken thun, der auch die erste Karte ausspielt, so daß ich der Letzte bin." „Aber wieviel Karten bekommt Jeder?" „Soviele, als Spieler da sind." Der Nachbar vertheilte die Karten und legte den Rest verdeckt auf den Tisch, wogegen der Rabbi nichts zu erinnern hatte. Ersterer spielte dann eine beliebige Karte aus, da er ungewiß war, ob diese oder jene Karte zum Ausspielen die empfehlenswerteste sei. In derselben Ungewißheit fiel die zweite, dritte und vierte Karte. »Herz ist Trumpf," rief der Rabbi, statt der Karte den Brief des Nothleidenden ausspielend, „und wenn ich nicht irre, so habe ich das Spiel gewonnen!" Er nahm die 10 Dukaten aus der Untertasse, schob sie an sich heran und deckte die Tasse darüber. Die Mitglieder ließen es geschehen. „Wenn ich gewonnen habe," sagte der Rabbi, die Tasse umdrehend und das Gold hineinlegend, „so kann ich ja wohl auch über meinen Gewinn verfügen." „Natürlich!" pflichtete das Quartett bei. „Gut!" sprach der Rabbi, sich erhebend und öffnete die Thüre. „Herein,