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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1898-01-01 · Heft 1 (1.1.1898) · p. Seite 7

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
18 (1898)
Issue
Heft 1 (1.1.1898)
Date
1898-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 — 7 will mir blos Stiefel und Pelz anziehen, und dann komm mit." Es dauerte nur eine Minute, und der Rabbi war zum Ausgehen fertig; einen Hut brauchte er nicht aufzusetzen, denn er trug beständig eine Zobelmütze, welche er erst ablegte, wenn er zu .Bette ging. „Hier ist die Ressource", sagte das Mädchen, auf ein hellerleuchtetes Haus weisend. „Bleibe draußen stehen, bis ich Dich rufe", sagte der Rabbi und trat in den Ressourcensaal. Wenn plötzlich ein Blitzstrahl das ganze Zimmer erleuchtet hätte, so würde er schwerlich einen größeren Effekt hervorgerufen haben, als des Rabbi's Erscheinen in dieser Gesellschaft, die allerdings fast nur aus Juden bestand. Man erhob sich vom Platze, Aller Augen richteten sich auf den Eingetretenen. Eine ganz leise Stimme sprach vcrwunvert: „Der Rabbi in der Ressource!" Der Rabbi hörte es und sagte: „Ist es denn eine Sünde, itt der Ressource zu sein? Ich denke nicht, und wenn es als eine Sünde vielleicht vor Zeiten betrachtet worden wäre, so darf es von heute ab eine solche nicht mehr sein. Denn ich sehe hier nur anständige Männer versammelt, welche einer sündhaften Handlung unfähig sind. Oder behauptet Einer vyn Euch das Gegenteil?" Auch weim der Rabbi sie Alle sammt und sonders heruntergekanzelt hätte, würde nieinand Widerspruch erhoben haben, wieviel weniger, wo er in ihrem Sinne gesprochen hatte. „Ich glaube", fuhr der Rabbi fort, „daß ich Euer Vergnügen störe,' weil Ihr Alle so still seid, während ich Euere munteren Stimmen gehört habe, als ich noch draußen vor der Thür stand .... Ihr habt Karten gespielt? Warum habt Ihr sie denn versteckt? Kartenspielen ist an sich keine Sünde, und wenn ich einmal dawider gesprochen habe, so verwarnte ich bloß, daß man das Kartenspiel zur Leidenschaft macht, daß man mehr einsetzt, als man ohne Schaden für sein Haus und sein Geschäft verlieren kann — kurz daß man das Spiel zur Hauptbeschäftigung macht; aber so spielen, wie ihr hier in der Ressource spielt — das ist keine Sünde". Die Gesellschaft sah den Rabbi etwas, ungläubig an, nicht als ob sie anderen Sinnes gewesen wäre, sondern Niemand mochte glauben, daß der Rabbi blos deswegen zur Ressource gekommen sei, uni das Kartenspiel als eine erlaubte Beschäftigung erkläre» zu wollen. Dahinter mußte wohl etwas anderes stecken, aber was? Das war die Frage. „Mir scheint," sprach der Rabbi, „daß Ihr mir nicht glaubt. Wohlan denn, so will ich selbst beim Spiel Euer Partner sein." „Aber der Rabbi kennt ja keine Karte?" ließ sich eine Stimme hören. „Was?" rief der Rabbi mit komisch verstelltem Zorn „Ich kenne keine Karte? Ich kann nicht spielen? Nun höre mir einer die Beleidigung! Sofort will

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