Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1897)
- Date
- 1897-12-01
- Page
- Seite 275 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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"" •> r-4 v. »-V v- — 275 — Feuer, daß in ihm, in Mose selbst, den größten Gedanken entzündet, der je eines Menschen Geist durchzuckt, ein Feuer, das durch ihn Israel zu neuem Leben verjüngte, aber nicht Israel mit Todesahnungen ängstete und bedrohte. Nein, solchem vorlautprasselndem Dornenbrande hält Mose das Wort entgegen, welches Israel als sein heiligstes Erbe nie vergessen sollte, es ist das Wort: „Zum Himmel hebe ich meine Rechte und rufe: Leben werde ich, wie mein Gott, leben von Ewigkeit zu Ewigkeit!" Gin Wries des Katers Kyacinttze Loyson an den Kroßrabbiner von Mom. An den Großrabbiner in Rom, A. M. Angelo Fornari. Rom, den 24. April 1897. Herr Großrabbiner! Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen im Namen meiner Frau sowie in dem meinigen für die Aufnahme zu danken, die Sie uns gestern Abend in der Synagoge bereitet haben, dem ältesten Tempel der fünf Synagogen Roms, wohin trotz der ohnmächtigen Verfolgungen der Kaiser und später unter dem Schutz aufgeklärter Päpste, die Israeliten der ganzen Welt gekommen sind, um Jahrhunderte lang Zuflucht zu finden. Dort hat vielleicht St. Paulus gebetet und gestritten, der, indem er das Evangelium predigte, es mit lauter Stimme aussprach, daß er in Fesseln läge des Heiles Israels wegen, daß er nichts gethan hätte gegen die Gebräuche seiner Väter, und daß, wenn er sich an Cäsar gewandt hatte, es nicht in dem Sinne geschah, seine Nation anzuklagen. (Buch der Apostel, Kapitel XXVIII, Vers 17 und 19.) An Ihrer Seite, Herr Großrabbiner, haben wir an einem erhabenen Gottesdienst uns beteiligt, an dem Christen teilnehmen konnten, ohne auch nur im Geringsten in ihren heiligen Gefühlen verletzt zu werden. Am letzten Tage des Osterfestes war es, als wir durch einen gewaltigen Chor Jehovah für die seinem Volke wiedergegebene Freiheit haben rühmen und den Untergang des alten Pharao und seiner Nacheiferer, der Antisemiten aller Zeiten, haben preisen hören. Israel ist immer das Volk Gottes. Für diejenigen, welche unsere heilige Schrift, das Juden nnd Christen gemeinsame Alte Testament, sowie das Neue mit Aufmerksamkeit lesen, gibt es nichts Rätsel- „ hafteres als das Schicksal dieses Volkes. Heute sowohl wie in den Tagen des großen Apostels, den zu citiren Sie mir nochmals gestatten müssen, ist es das auserwählte Volk, dem die Offenbarungen Gottes anvertraut wurden, es ist der fruchtbare Olbaum, auf welchen wir Kinder zivilisierter oder wilder Heiden gesetzt sind, um den Saft zu schöpfen und die Früchte davon zu tragen. (Epistel an die Römer, Kapitel IV und VI.) Deshalb kann ein Christ, der seine Religion kennt, niemals Antisemit sein (verzeihen Sie mir diesen Barbarismus und den Widerspruch), sofern er nicht durch Fanatismus oder noch verwerflichere Leidenschaften