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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-12-01 · Heft 12 (1.12.1897) · p. Seite 274

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 12 (1.12.1897)
Date
1897-12-01
Page
Seite 274 (sequence 10)
Language
German
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. V* & V ■: “1;r<^'.1 .*- 4-.' tr ■ ‘ ' : — 274 — Glauben das Wort des Propheten: „Erst wenn der Menschengeist die fernsten Höhen wie die untersten Tiefen ergründet hat, wenn es keine Scheide mehr giebt zwischen Gott und Mensch, erst dann ist, das Judentum dem Untergang geweiht." Denn diese strenge Scheide, sie ist eben das Judentum selbst. Und mjt Recht sagt der letzte aller Propheten in Gottes Namen: „So wahr ich, der Herr, mir in Ewigkeit gleich bleibe, so wahr wird euer Glaube ewig dauern." Und doch, eines überbrückt die Kluft zwischen Gott und Menschen, es ist die Erkentnis, daß der Geist, der in uns waltet, ein Funke ist von jenem Geiste, der das Weltall durchatmet, und es ist das Gefühl, daß die Stimme, die in unserem Herzen spricht, ein leiser Laut jener Liebe ist, die das Herz des himmlischen Vaters durchglüht. Und so wahr diese Erkenntnis und dieses Gefühl sich mehr und mehr die ganze Welt erobern müssen, so wahr ist auch der Glaube nicht nur an Israels Ewigkeit, nein, auch an Israels Fortschritt, an Israels weltbezwingende Macht, an den endlichen Sieg des Judentums gebunden. Das ist die Antwort, die das Prophetentum, die Israels Weisheit den Zweiflern und Kleinmütigen entgegenhält. Und darum muß man sich auch in solchen Fragen an sie, muß man sich immer an Israel, an das wahre, echte Israel um Auskunft wenden. Es geht uns sonst damit gar leicht, wie in jener uralten Fabel: Einst wollten die Bäume einen Führer haben, der ihnen den rechten Weg zum Ziele weisen sollte und sie kamen zum Ölbaum. Aber der Ölbaum sprach: „Soll ich mein Fett aufgeben? Soll ich meine Behaglichkeit, meine Ruhe opfern, um mich von Euch zerzausen zu lassen? Die Bäume kamen nun zum Feigenbaum: Aber auch dieser fürchtete für seinen Vorteil, für seine Stellung. Und auch der Weinstock mochte nichts von seinen Genossen wissen, er freute sich ja der Anerkennung Gottes und der Menschen, der draußen in der Welt maßgebenden Mächte, wie sollte er seinen Ruf, seine Zukunft gefährden seiner Stammesgenossen wegen? Nur der Dornbusch, der hatte ja nichts zu verlieren, der konnte selbst im schlimmsten Falle nur gewinnen. Denn wer hätte ihn sonst beachtet, wenn nicht seine Brüder mit ihrer Rundfrage auch zu ihm gekommen wären? Der sagte sogleich zu. „Aber," so drohte er gleichzeitig, „wehe dem, der von nun an nicht bei mir allein sein Heil sucht, wer mich nicht als den einzigen wahren Retter anerkennt, wer mich gar noch immer für das halten wollte, was ich bin, für den Dornbusch am Feldweg! Dann soll ein Feuer ausgehen von dem Dornbusch und dann sind auch die Cedern des Libanons nicht vor mir sicher. Ja die sollen zuerst daran glauben!" Nun jener Weinstock und jener Feigenbaum und Ölbaum, sie haben längst ihr Urteil gehört. „Vom Weinstock Sodoms ist solcher Weinstock, von den Gefilden Amoras sind solche Bäume", so spricht Mose, der größte der Propheten in seiner letzten und herrlichsten Prophethie. Nur vom Dornbusch spricht Mose noch nicht, wohl weil e r gewohnt war, ein ganz anderes Feuer aus den Dornen blitzen zu sehen: das Feuer Gottes, die Erscheinung des Inbegriffes aller Demut ein

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