Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1897)
- Date
- 1897-12-01
- Page
- Seite 273 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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W - ,n LJ lWMM»WWWW^ — 273 — muß ein Geist erfunden haben, der eben nur, da ihm sonst nichts übrig blieb, die Menschen zu scheiden und gegen einander zu Hetzen, der dann eben zu dieser Waffe gegriffen hat. Denn wer wollte im Ernst eine Raffe deutlich und klar von der anderen scheiden? Und wird die Grenze nicht immer unsicherer, je weiter wir in die ° Geschlechterfolge zurückgehen? Ist es uns da nicht, wie wenn wir in einen- Sumpf geraten und immer tiefer und tiefer sinken, je sicherer wir glauben, Boden unter den Füßen zu haben, je zuversichtlicher wir nach einem festen Halte greifen? Sollte man es also für möglich halten, daß in solchem Sumpfe die giftig-,' ften Waffen gegen Israel gesucht werden? Sollte man's glauben, daß Männer, die ernst genommen sein wollen, daß solche Männer einzelne körperlich und sittlich verkommene oder bessere durch den Druck Jahrhunderte langen Leidens verstümmelte Glieder, den Abschaum Israels herausgreifen und darauf ihre Schein- und Schandwisienschaft des Rassenhasses bauen? Daß sie nicht sehen oder es nicht sehen wollen, daß unter anderen Himmelsstrichen der Jude sich gerade durch das . sofort von seiner Umgebung unterscheiden läßt, was sie, diese Lügenforscher als ihren Vorzug vor Israel stolz herauskehren? Was war denn das alte Israel, das noch nicht das Verbot der Vermischung mit anderen Stämmen kannte; und das wir doch gerade im Berührungs- und Brennpunkt der verschiedensten Rassen finden? Und wie oft ist nicht Israel jenem Verbot wieder untreu geworden? Und wie oft hat nicht Israel Fremden seine Thore geöffnet, die freudig mit ihm leben und leiden wollten? Und da will man von einer-jüdischen Rasse reden! Und doch, es gab Zeiten wo Israel ängstlicher seine Thore schloß, wo Israel sagen mußte: „Diese neuen Brüder im Bunde sind Israels Unglück." Aber nicht aus Lieblosigkeit gegen den Fremden sprach Israel so, eS nennt uns selbst den wahren Grund: „Sie sind für Israel ein Fallstrick, wie es einst der Nachtrab, in Aegypten aufgelesen, bei dem Reigen um den goldenen Götzen geworden." Und in der That, hier sah Israel sein Allerheiligstes gefährdet, hier sah es seinen wahren Kern preisgegeben und das untergraben, was es -in Wahrheit als Volk so stark zusammenhält: die Reinheit des Familienlebens, die Pflege deS Familiensinnes. Das ist ein Merkmal, das nicht an Land und nicht an Sprache und Sitte und Rasse geknüpft ist, nein, das ist ein Edelstein, wie ihn Abraham auf seinem Herzen trug, das ist der Talisman, der uns mit unsichtbaren, zarten Fäden, und doch so unlösbar, zusammenhält, das ist unsere, die jüdische Rasse, allerdings im Unterschiede von unseren Feinden. Und ewig wie das Walten und Weben im Weltenlauf, ewig wird diese Rasse, dieses Volk leben, denn sein Merkmal ist reinste Sittlichkeit und edelstes Menschentum. Nun, und Israel, nicht als Volk, sondern als Träger des reinen Gottesgedankens, als Kämpfer und Blutzeuge für den einig einzigen Gott? Wenn es sich hier überhaupt scheiden ließe zwischen Volk und Glauben, dann gilt von diesem