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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-12-01 · Heft 12 (1.12.1897) · p. Seite 271

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 12 (1.12.1897)
Date
1897-12-01
Page
Seite 271 (sequence 7)
Language
German
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— 271 — doch, wenn schon Sara, die Stammmutter Israels, die Botschaft Gottes mit ungläubigem Lächeln aufnimmt, was wird dann wohl erst Israel selbst dazu sagen, wenn ihm die Verheißung würde, daß seiner ein neuer Frühling, eine Wiederverjüngung harrte? Wird es sich dann auch mit solchem Tröste begnügen? Nun, wir wissen es ja, was Israel dachte und sagte, so oft es sich alt und lebensmüde und entkräftet fühlte: Es verzweifelte an seiner Zukunft/ es wurde irre an seiner Vergangenheit, an seiner Bestimmung. Und hätte da wohl einfach der Hinweis auf Gottes Allmacht genügt? Nicht umsonst mußten da die Tröster des Volkes, die Propheten, immer wieder zu Wundern ihre Zuflucht nehmen. So rufet der redekühne Jesaia, der größte unter den Propheten, die wir die großen nennen, dem Israel seiner Zeit das Trostwort zu: „Blicket doch hin auf Abraham, Euren Vater, und auf Sara Eure Ahnin!" Blicket auf Jakob, auf Josef, wie sie alle das schier Unglaubliche durch Gottes Fügung an sich erfahren haben, blicket doch zurück auf Eure Vergangenheit und sehet da die Wunder Gottes! Aber das Volk glaubte ja nicht mehr an diese Vergangenheit, es glaubte nicht mehr an diese Wunder. Da kam der andere jener großen Seher und Tröster, es kam Ezechiel und der führt sie hinaus auf die Stätte der Gräber und ruft ihnen zu mit markerschüttern- Stimme: „Seht! Wie diese Gebeine neuem Leben entgegenharren, so soll auch Israel neu und frisch aus seinen Gräbern erstehen." Blicket hin auf das große Wunder der Zukunft! Allein, auch an die Zukunft glaubte ja das Volk . nicht mehr. Nein, nur was sie mit eigenen Augen sehen, was sie mit eigenen Sinnen fühlen konnten, nur die unmittelbare, lebendige Gegenwart, das war ihr Glaube. Und war diese Gegenwart ein Bild des Niederganges, des Verfalles, des Todes, so war auch ihr Glaube die Verzweiflung. Und wie das Wissen der Völker, unter denen es wohnte, der Völker, die selbst der Sterne Geheimnis zu wissen wähnten, für die es kein Rätsel, keine Geistesschranke mehr gab, so war auch das Wissen Israels, und der letzte Schluß all dieser stolzen Weisheit und dieses Glaubens, das war verwegenster Hochmut neben tiefster Niedergeschlagenheit. Da war es denn Jeremia, der eigentliche Prophet des Trostes, der den Zweiflern und Spöttern mit Keulenwucht all ihr Wissen und Glauben zerschmetterte mit Worten, wie sie Israel sich immer wieder vor die Seele ruft, so es an der Erlösung, so an seinem Ziel, so es an seiner Zukunft verzweifelt. Jeremia weißt sie aufwärts nach jenen Höhen, in denen Sonnenwelten donnernd ihre Bahnen rollen, er weist sie hin auf die stürmische See, wie sie, aufgewühlt in gähnender Tiefe, gen Himmel die brüllenden Wogen peitscht, und „Seht!" so ruft er ihnen zu, „Wenn diese Gesetze einst zu sein aufhören, dann, ja nur dann soll auch Israel aufhören, ein Volk zu sein. Und wenn das schwache Menschenhirn einst sie so ausgemessen, jene Himmelsbahnen, und sie ergründet, jene Meerestiefen, dann wird

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