Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1897)
- Date
- 1897-12-01
- Page
- Seite 270 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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270 Stelle nennt weder Levit, Priester oder Israelit, sondern nur den Menschen, weil auch der Nichtjude, wenn er sich mit dem Gesetze beschäftigt, einem Hohenpriester .gleich zu achten ist. Von einem anderen Lehrer wird dieselbe Lehre mit noch stärkerem Nachdruck vorgetragen: „Dies ist die Lehre des Menschen" (4. M. 19. 14.); ferner: „Thut auf die Pforte und ziehet ein, und es ziehe ein das gerechte Volk (Goj, Heide), das auf Glauben hält" (Jesaia 26. 2.); „Da ist das Thor, Gerechte ziehen in dasselbe ein" (Ps. 33. 1.); „Gott thut den Guten wohl" (Ps. 124. 4.). In allen diesen Schriftstellen steht nicht: „Priester Levit oder Israelit," sondern nur „Mensch, Gerechter, Frommer, Guter" weil auch der Nichtjude, Goj, wenn er sich mit dem Gesetze beschäftigt, einem Hohenpriester gleicht und der heiligste Gottesdiener wird." Man sieht schon daraus zur Genüge, was man von jenen schmählichen Flugblättern zu halten hat, die mit böswilligen Unwahrheiten gegen die Juden die Saat des Hasses und der Verfolgung ausstreuen. Zum Schlüsse wollen wir noch die Mahnrufe der Volks- und Gesetzeslehrer im Talmud nicht unerwähnt lassen, welche den Israeliten Ehrfurcht und Gehorsam gegen die Obrigkeit und deren Institutionen, Gesetze und Organe selbst gegen die der heidnischen Völker zur Pflicht machen. Wir zitiren von denselben: «Bete für das'Wohl der Obrigkeit, denn existirte nicht die Furcht vor derselben, es würde der Eine den Andern lebendig verschlingen; „die Obrigkeit auf der Erde, ist der im Himmel gleich." Die Gerichtsbarkeit soll in allen ihren Rechtsurteilen vollgiltig anerkannt werden; ihre Urkunden, Scheidebriefe und Freiheitsscheine sind rechtskräftig, — waren die Anordnungen der Lehrer schon des 1. und des 2. Jahrh. Zeugen jüdischen Glaubens, die zu Gunsten eines Heiden etwas aussagen können, sind verpflichtet, ihre Aussagen vor dem heidnischen Gericht zu machen. 8. Israels Zuversicht. Rede, gehalten von Rabbiner Dr. M. Grunwald in Hamburg. Sara war alt geworden. Sie stand in jenem Alter bereits, wo man nicht mehr viel in dieser Welt zu erwarten hat und darum auch nicht mehr viel erwartet, wo man nicht mehr kühn hofft, nicht mehr jugendlich leicht glaubt. In diesem Alter vernimnit Sara die Verheißung Gottes, sie sollte sich wieder verjüngen. Und ungläubig lächelt Sara, das scheint ihr doch unmöglich. Allein der Herr tadelt sie ob dieses Lächelns. „Ist denn Gott ein Ding unmöglich?" Ein echter Gottestrost! Denn dieser Trost, der Hinweis auf Gottes Allmacht, enthält er nicht alles, was Zweifel lösen und Schmerzen lindern kann? — Und