Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 12 (1.12.1897)
- Date
- 1897-12-01
- Page
- Seite 267 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 267 — sind in Folge der Lehre des Apostels Paulus aus dem Judenthume getreten^ sie haben sich von dessen Gesetz losgesagt und galten auch in den Augen der Juden nicht mehr als zu den jüdischen Sekten gehörig, gegen welche strenge Maßnahmen beschlossen wurden. Die Anhänger dieses paulinischen Christenthums, die an Gott und sein geoffenbartes Wort glauben, werden im Judenthum als Gottesverehrer, Mitbegründer des Gottesreiches betrachtet. Diese Auffassung ist die der bedeutendsten jüdischen Gelehrten, nicht blos der in den christlichen Ländern, sondern auch der, die unter der Herrschaft des Islams lebten und so vor den Christen nicht zu fürchten hatten. So lehrte Maimonides (1135—1204), der in Ägypten gelebt hat: „Wer die sieben noachidischen Gebote (keine Götzen zu verehren, der Obrigkeit zu gehorchen, Niemanden zu töten, Gott nicht zu lästern u. s. w.) auf sich nimmt und auf deren Vollziehung bedacht ist, gehört zu den Frommen der Völker; er hat Anteil an der ewigen Seligkeit." „Man vollziehe gegen sie Liebes? werke gleichwie gegen einen Israeliten, und sorge, wenn sie arm sind, für ihren Lebensunterhalt." Gegen Ende des zwölften Jahrhunderts lebte in Regensburg ein frommer Rabbi, bekannt unter dem Namen „R. Jehuda der Fromme", der in seinem „Buche der Frommen" (sepher chassidim) in öfteren Wiederholungen (8 7, 51, 74, 311, 426) lehrte: „Täusche Keinen durch deine Handlung, auch keinen Nichtjuden; sei nicht zänkisch gegen Leute, wessen Glaubens sie auch seien; handle ehrlich in deinen: Geschäfte. Man soll Niemanden Unrecht thun, auch nicht andern Glaubensgenossen. In dem Verkehr mit Nichtjuden befleißige dich derselben Redlichkeit als mit Juden; mache den Nichtjuden auf seinen Jrrthum aufmerksam; besser du lebst von Almosen, als daß du zur Schmach des Judenthums und des jüdischen Namens mit frenidem Gelde davon läufst. Will ein Jude einen Nichtjuden töten, so müssen wir dem Nichtjuden beistehen. Flüchtet sich ein Mörder zu dir, gewähre ihm keinen Hchutz auch wenn er Jude ist u. s. w. Und nun gar die viel verleumdete Rechts- und Sittenlehre des Talmud. Die Lehre von der Gleichheit aller Menschen, wie wir auch in dem Fremden und Nichtbekenner unseres Glaubens den Menschen erkennen und achten sollen — werden wir vergebens weder in den Schriften der Inder und Perser, noch in denen der Griechen und Römer suchen, aber der Talmud hat sie, die Lehrer der ersten drei Jahrhunderte sprechen sie klar und unumwunden aus.? So heißt es in einer alten Boraitha: „Von Adam stammen alle Menschen ab, damit die Gerechten nicht sagen: „Wir sind Söhne der Gerechten!" und die Frevler nicht sprechen; „Wir sind Söhne der Frevler"! Ferner: „Nur einen Menschen schuf Gott zum Stammvater wegen der Familien, damit sie sich nicht .. gegen einander hochmütig geberden; die eine nicht gegen die andere Mord, Diebstahl, Raub u. a. m. erlaubt halte." Es waren dies die Lehren, bei deren Theorie j man nicht stehen blieb, sondern die im rabbinischen Gesetze zur wirklichen, vollen Geltung kamen. So hat der Patriarch R. Gamaliel II. (gegen Ende des 1.