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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-12-01 · Heft 12 (1.12.1897) · p. Seite 266

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 12 (1.12.1897)
Date
1897-12-01
Page
Seite 266 (sequence 2)
Language
German
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266 Tausende der Juden bloß, die noch am Talmud hangen und geben zu, daß unsere Väter, ja die Juden vor uns und die Juden in andern Ländern, denen der Talmud ein heiliges Schriftthum ist, vermöge der talmudischen Lehren sittlich verkommene Menschen waren und sind. Ein solches Zugeben käme fast einem Verrate am Judenthume gleich. Das sollten die Herren bedenken, ehe sie sprechen. — „Ihr Weisen seid vorsichtig mit euren Worten, daß ihr nicht verschuldet!" Da lobe ich nie das herzhafte Auftreten der jüdischen Reformgemeinde in Berlin, die durch ihre Prediger öffentlich erklärte, daß sie zwar den Talmud als Religionsbuch nicht anerkenne, aber nichts desto weniger gegen die Verleumdungen desselben, er enthalte Lehren und Aussprüche, die Ungerechtigkeiten, als Betrug, Diebstahl, Wucher u. a. m. gegen Christen erlaube und den Juden zur Pflicht mache — feierlichst protestiren. Die Juden aller Richtungen müssen wie ein Mann gegen solche gehässige Lügen auftreten, in Wort und Schrift dagegen protestiren und das Lügenhafte solcher Anklagen zurückweisen. Und wahrlich hierzu bedarf es nicht viel, denn man braucht nur in die Geschichte zu blicken, die bedeutendsten Männer des Mittelalters und der neuen Zeit bis in die Gegenwart stehen uns zur Seite als Verfechter des talmudischen Schriftthums. Wir nennen beispielsweise Johann Reuchlin, den gelehrten Sebastian Münster, die Buxtorfe, den fleißigen Lightfoot, Samuel Bochart, August Pfeiffer, Leusden, Surenhus, Prof. Franz Delitzsch, Prof. Paul de Lagarde u. a. m.; Männer die den Talmud fleißig studirten und ganze Partien in demselben bearbeiteten. Welche erbärmliche Menschen sind diesen gegenüber die Herren, welche gegen den Talmud Pamphlete schreiben. Sie holen sich ihre Zitate aus dem von der Kritik längst verurteilten Buche Rohlings: „Der Talmudjude." Dasselbe ist keine selbständige Arbeit, sondern besteht aus Zitaten von Eisenmengers Schriften. In neuester Zeit hat man mit Recht bewiesen, daß auch Eisenmenger seine Talmudstudien nicht selbständig gemacht und mit Hilfe Anderer sein Machwerk zusammengetragen. Es ist ein eigenes Ding mit Zitaten aus einem Schriftthum, das man selbst nicht versteht. Wenn Jemand aus Schillers Lied an die Freude Strophe 3. das Zitat brächte: „Und wer es nie gekannt, der stehle —", um daraus zu beweisen, daß Schiller den Diebstahl erlaubt, welch' schreckliches Mißverständnis wäre das? Ähnlich verhält es sich mit den talmudischen Zitaten der Pamphletisten. Wir können daher die Mahnung unseres großen Dichters Goethe solchen Herrn nicht genug wiederholen : „Wer den Dichter will verstehen, „Muß in des Dichters Lande gehen!" Wir beabsichtigen hier einiges aus der talmudischen Rechts- und Sittenlehre, soweit dies hier der Raum zuläßt, den: deutschen Volke vorzuführen. Vor Allem sei bemerkt, daß der Talmud keinen Ausspruch hat, der sich auf die paulinischen Christen in ihrem Gegensätze zu den Judenchristen bezieht. Dieselben

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