Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 263 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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263 festgehalten: Die himmlische Herrschaft wie die irdische Herrschaft (Berachot 58 a). Man muß, wenn man vor Gott hintritt zum Gebet, so hintreten wie wenn man vor einen Großen, vor einen König hintreten würde — je nach der Landessitte. Es ist klar, daß Maimonides den europäischen Juden vorschreiben würde, beim Gebet das Haupt zu entblößen wie vor einem irdischen König. Höchst komisch muß aber das Vorgehen jener Rabbiner wirken, welche von einem gekrönten Haupte die Erlaubnis erbitten, sich zu bedecken, um den Segen zu sprechen! — Die Jahresversammlung der Gesellschaft für Veröffentlichung von Werken jüdischer Litteratnr hielt ihre Jahresversammlung in Philadelphia ab und aus dem Berichte der Beamten war ersichtlich, daß die Gesellschaft in stetem Wachsen und Gedeihen befindlich ist. Die Jahreseinnahmen betrugen 18,700 Dollar, die Ausgaben 14,753, einen Überschuß von 4000 Dollar aufweisend, wodurch der ständige Fonds die Höhe von mehr als 20,000 Dollar erreicht hat. Die jüngst veröffentlichten Bände sind: Jlliowitzi, „Aus der jüdischen Einfriedung, Geschichten aus dem jüdischen Ghetto", ferner die Verhandlungen des jüngst dahier abgehaltenen jüdischen Frauen-Kongresses. Demnächst wird ein Werk von Arsene Darmstedter: „Der Talmud" und der sechste und letzte Band von Grätz's Geschichte zur Veröffentlichung gelangen. — Herr Jakob Lipmann Lipfthih in Kowno hat eine Biographie des verstorbenen Rabbiners Jizchak Elchonon Spector herausgegeben. Derselbe ist 1817 geboren. In seinem 20. Lebensjahre wurde er Rabbiner. Ehe er nach Kowno kam, bekleidete er die Rabbinerstellen in Borese, Neswisch, Nowögoudok. Die von ihm gesammelten Gelder zum Zweck der Wohlthätigkeit beliefen sich auf fast 1000000 Rubel. Er selbst starb als armer Mann. — Von einem der Redakteure der „Jewish Quaterley Review", Herr I. Abrahams, ist ein Buch „Jewish Life in the Middle Ages" (Das Leben der Juden im Mittelalter) erschienen. Er benützte in reichlicherer Weise wie dies bisher geschehen, die mittelalterliche Responsenlitteratur, welche noch immer eine sehr reiche Ausbeute gewährt. — Am 28. Juni kamen in London mit der berühmten Ashburnham Bibliothek kostbare Bibeln zur Versteigerung. Den höchsten Preis, der je für ein Buch gezahlt wurde, erzielte die historische Mazarin-Bibel von Gutenberg, auf Pergament gedruckt, wobei der Erfinder der Buchdruckerkunst zum ersten Mal Bleibuchstaben zur Anwendung brachte. Die Bibel wurde mit 20000 Mark ausgeboten, das nächste Angebot war 40000 Mark, und schließlich erstand der Antiquar-König Quaritch das Buch für 80000 Mark. Er war auch Käufer der äußerst seltenen, mit Holzblöcken hergestellten Ritdia pauperum, die er für 2 l 000 Mark erstand, dann der ersten datierten lateinischen Bibel für 30000 Mark. Die erste in englischer Sprache gedruckte Bibel (Coverdale, 1535) wurde für 16400 Mark losgeschlagen. Wie der Preis der alten Bücher steigt, zeigt sich an der Biblia pauperum, die vor fünfzig Jahren um 735 Mark zugeschlagen wurde; bei der nächsten Versteigerung in den - Sechziger-Jahren erzielte sie 5140 und jetzt