Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 255 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 255 — triebenen Steuer für Koscherfleisch und Sabbatlichter zu befreien und er begab sich an der Spitze einer Deputation zweimal nach Wien, wo er an maßgebender Stelle diese Angelegenheit mit großem Geschick vertrat und zu deren günstiger Erledigung nicht wenig beitrug. Es ist eine traurige Thatsache, daß Abraham Kohn nur von einer geringen Schaar treuer Gesinnungsgenossen verstanden wurde, während er von den damals übermächtigen Orthodoxen mit allerhand Verleumdungen und Chicanen verfolgt wurde. — Nie aber hat er, was eben bewunderungswürdig ist, auch dem schamlosesten Gegner gegenüber sein hoheitsvolles, vornehmes Wesen, seine Großherzigkeit und seinen Mut verleugnet. Als nun die Zeloten sahen, daß sie dem Prediger Kohn mit ihren Lästermäulern nicht beizukommen vermögen, wandten sie das äußerste, das gräßlichste Mittel an — es war Gift. Während er mit der Vorbereitung zur Herausgabe einer jüd. Monatsschrift beschäftigt mar, ereilte ihn von ruchloser Mörderhand der Tod. Den Samstag vorher hatte er über das Thema „Du sollst nicht morden" gepredigt. — Wie ein Lauffeuer gieng es am 9. Elul des Jahres 1847 durch die Gemeinde, daß Rabbiner Abraham Kohn und seine Familie beim Mittagsmahle vergiftet worden seien. Diese Daten sind einer in der Zeitschrift „Jeschurun" vom Jahre 1856 enthaltenen Biographie entnommen. Zur Ehre der Leinberger Gemeinderepräsentanz und vor Allem der Tempelverwaltung sei es gesagt, daß beide das Möglichste gethan haben, um den 50. Todestag dieses Märtyrers würdig zu begehen. Im israel. Tempel , von dessen Giebel eine Trauerfahne wehte, fand am Vorabende eine imposante Feier statt, der ein hundertköpfiges Publikum, darunter auch zahlreiche Mitglieder der Kultusrepräsentanz, beiwohnten. Herr Rabb. Dr. Caro hielt eine ergreifende Predigt, in welcher er die Verdienste Kohns um die Ausgestaltung des Gottesdienstes, um die Erziehung der Jugend und um die Verbreitung fortschrittlicher Anschauungen im Allgemeinen hervorhob. Die Trauergesänge wurden vom Oberkantor Halpern unter Assistenz des Chores in weihevoller Weise zum Vortrage gebracht. Am eigentlichen Gedenktage versammelte sich auf dem alten israel. Friedhofe eine auserlesene Gemeinde und wurde am Grabe des unvergeßlichen Seelsorgers abermals eine besonders erhebende Andacht abgehalten. Nachdem von den Funktionären des Tempels der liturgische Teil erledigt worden war, trat der Hörer der israel. theol. Lehreranstalt in Wien, Herr Samuel Guttmann vor und hielt eine in jeder Beziehung vollendete Gedenkrede, die überaus reich an erhabenen Gedanken, trefflich disponirt und mit jugendlicher Begeisterung vorgetragen, auf alle Anwesenden, unter denen sich zumeist gewiegte Kenner des jüd. Schristtnms befanden, einen überwältigenden Eindruck übte. Redner verglich das Leben und Wirken Kohns mit dem des Patriarchen Abraham und dem Wirken