Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 254 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969849--5228-2974521- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 254 — hundert ist seit Verübung jener ruchlosen That verflossen, die den obengenannten Gottesmann seines Lebens und die ihm treuergebene, ewig dankbare Gemeinde eines in seiner Art einzigen und unersetzlichen Führers und Lehrers beraubte, und ein Tag der Erhebung zugleich in dem Bewußtsein, daß sein Name heute noch in aller Herzen fest eingegraben, von Jung und Alt mit Ehrfurcht ausgesprochen wird. Was dieser edle Priester für die Besferstellung Md Hebung seiner damals von völliger Nacht des Aberglaubens und Fanatismus umfangenen Glaubensbrüder in Galizien geleistet, wird in der Chronik der Lemberger Gemeinde mit goldenen Lettern verzeichnet bleiben. Wir aber glauben, es der Größe dieses Mannes zu schulden, wenn lvir im Folgenden einige Daten über das Leben und Wirken dieses Märtyrers niederschreiben: Abraham Kohn war 1806 zu Zaluzan in Böhmen in ärmlichen Verhältnissen geboren. Sein frühzeitig hervortretendes Talent bewog die Eltern, ihn in den rabbinischen Fächern ausbilden zu lassen, wie er überhaupt selbst für den geistlichen Stand Vorliebe zeigte. Geheim studierte er auch profane Fächer mit großem Fleiße, absolvierte dann in Pisek die Gymnasial- und in Prag die philosophischen Studien, und erhielt sich während dieser Zeit auf kärgliche Weise durch Erteilung von Unterricht. Im Jahre 1830 trat er zum ersten Male mit einer Predigt auf und erzielte mit derselben großen Erfolg. Es war dies anläßlich der Einweihung einer Synagoge in Pisek. Im Jahre 1833 erfolgte sodann seine Berufung nach Hohenems, einer kleinen aber angesehenen Gemeinde in Vorarlberg, >vo er eine überaus segensreiche Wirksamkeit entfaltete, die sich vor allem in der Verschönerung des Gottesdienstes, in der Gründung zahlreicher humanitärer Vereine und in der Sorge für einen gründlichen Jugendunterricht äußerte. Mittlerweile hatte er sich ein eigenes Familienheim gegründet. Bald jedoch sollte sein seit jeher gehegter inniger Wunsch , in Galizien Bildung und Aufklärung zu verbreiten, in Erfüllung gehen. Abraham Kohn folgte im Jahre 1844 einem an ihn seitens der Gemeinde Lemberg ergangenen Rufe und trat daselbst am 4. Mai den Posten eines Religionsweisers und Predigers an. Nm begann für ihn eine Periode harter, schwerer Kämpfe, in deren Verlauf er oft scheinbar unterliegen sollte, aus denen er aber jedesmal siegreich und gestärkt hervorging. Er erachtete es zunächst als dringendes Bedürfnis, elementare Bildung in die großen Massen zu tragen. Im Vereine mit einem wackeren Gemeindevorstande trat er im Jahre 1845 an die Gründung der ersten isr. Normalschule und stand durch mehrere Jahre an deren Spitze. — Seine herrlichen Predigten die er vor Erbauung des Tempels in der alten Synagoge zu halten pflegte, führten der Fortschrittsidee immer neue Anhänger zu. Er erhielt um diese Zeit auch das Kreisrabbinat von Leniberg. Als seine Lebensaufgabe betrachtete Rabbiner Kohn nicht zuletzt, seine Glaubensgenossen von der zu jener Zeit mit großer Härte einge-