Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 253 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWWWMWWWW^ — 253 — Manche unter Umstünden vielleicht ebenso gut zum Mohammedanismus treiben würden. Nicht Religionseifer, sondern religiöser Jndifserentismus ist dabei maßgebend. Wenn wir die Juden — sowie die Menschen überhaupt — in religiöser Beziehung in Gottesgläubige, Zweifler, Ungläubige und Indifferente einteilen müssen, so kann nach unseren Darlegungen der Gottesgläubige, gestützt auf die Bibel, nicht zum Christentum übertreten, da dasselbe seine Ansprüche ausschließlich auf die Bibel gründet und, wie wir vorher bewiesen haben, nach dem Inhalt des alten Testaments, welches Jesus, der Träger der christlichen Religion selbst in entschiedenster Weise für maßgebend erklärt hat, einige Hauptlehren der christlichen Religion als unannehmbar erklärt werden müssen. Der gottesgläubige Jude aber, der seinen Glauben unabhängig von der Bibel erworben und erhalten hat und die Berechtigung derselben zurückweist, wird selbstverständlich »och weniger ans religiöser Überzeugung Christ werden können, da die Ansprüche des Christentums ja ausschließlich auf derselben Bibel beruhen, deren Berechtigung der Betreffende in Abrede stellt. In beiden Fällen kann demnach Jesus nicht als Messias, nicht als Heiland, nicht als „Sohn" im Sinne der Dreieinigkeit gelten, und auch nicht als „im Himmel zur rechten Hand Gottes sitzend" betrachtet werden, und demgemäß die Taufe auch nicht aus religiöser Überzeugung geschehen. Der Ungläubige oder Zweifler kann gewiß diese christlichen Glaubenssätze nicht anerkennen, denn wenn er überhaupt nicht an die Existenz der Gottheit glaubt, oder daran zweifelt, so kann er gewiß nicht an die davon abhängige Existenz des leiblichen Sohnes und des heiligen Geistes glauben. Daß schließlich der Indifferente sich nicht aus religiöser Überzeugung taufen läßt, ist selbstverständlich. Da aber der Jndifferentismus unter den Juden in fortwährender Zunahme begriffen und gerade dieser hauptsächlich als Treibkraft auf dem Weg zur Taufe zu betrachten ist, so könnte dies vielleicht als eine ernste Gefahr für den Bestand des Judentums betrachtet werden. Bei uäherer Erwägung aber zeigt sich eine Reihe von Gründen, welche diese Gefahr als unwesentlich erscheinen lassen, und die wir, da deren Evidenz wohl kaum wird bestritten werden können, in gedrängter Kürze, in einem folgenden Abschnitte anführen wollen. Ium 50. Todestage des Hlabbiners Abr. KoHn in Lemberg. Der 9. Elul 5657 war für die Fortschrittsgemeinde Lembergs ein Trauertag und zugleich ein Tag der Erhebung; ein Trauertag, denn ein halbes Jahr-