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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-11-01 · Heft 11 (1.11.1897) · p. Seite 252

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 11 (1.11.1897)
Date
1897-11-01
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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— 252 — verteidigt, als der Zweifelnde oder Ungläubige, der sie angreift, muß den Inhalt der Bibel und deren Auslegung als ausschließliches Verteidigungs- oder Angriffsobjelt anerkennen. Außerhalb der Bibel giebt es bisher keine Religion für Juden und Christen, und die Versuche, eine Religion „innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" selbstständig aufzustellen, haben sich bisher als unfruchtbar erwiesen. Auch bleibt die Bibel der wichtigste und unersetzlichste Nachweis für die Entstehung und Entwicklung der beiden Religionen und namentlich der darin enthaltenen ethischen Lehren. Aus diesen Gründen müssen die Beweise, daß auch jetzt noch die Judentaufe nicht aus religiöser Überzeugung geschehen kann, sich immer noch auf die Bibel stützen. Daß die religiösen Gründe aber nicht mehr allein als maßgebend erscheinen, muß gebührende Berücksichtigung finden. So wird mit Recht in unserer Zeit von Vielen auf den theoretischen Inhalt der Religion weniger gesehen, als auf den Einfluß, welchen dieselbe auf ihre Bekenner ausübt, nach den Worten „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen". Auch von diesem Standpunkt ausgehend, wird der unparteiische Bibel- und Geschichtsforscher zu der Überzeugung gelangen müssen, und demgemäß auch beweisen können, daß das Gute, das die positiv-christliche Religion gebracht hat, vorher innerhalb der besseren Kreise des jüdischen Volkes schon theoretisch erfaßt, gelehrt und praktisch auszuüben versucht worden war, während manches Gute des Judentums vom Christentum nicht, oder in entstellter Weise übernommen wurde. Die Schwächen des Judentums sind teilweise auch auf das Christentum übergegangen; die Bestandteile des positiven Christentums, welche als ganz neu erscheinen können, sind — zwar aus den besten Absichten hervorgegangen — für die jetzige Menschheit von zweifelhaftem Werte, während die vielen wirklich wertvollen Errungenschaften der Menschheit seit 1800 Jahren teils durch das positive Christentum überhaupt nicht beeinflußt, teils durch dasselbe eher gehenimt als gefördert wurden. Das Judentum, als solches aber, war und ist durch seine gedrückte und einflußlose Stellung nicht in der Lage, die allgemeine Entwicklung zu fördern, da seine Kräfte bis jetzt vollständig von deni Kampf um seine eigene Existenz in Anspruch genommen waren. Wenn wir nun, gestützt auf unsere bisherigen Darlegungen, zur endgiltigen Beantwortung der früher erhobenen Frage übergehen, nämlich, ob eine Gefährdung für den Bestand des Judentums durch den freiwilligen Übertritt zum Christentum zu erwarten ist, so kommen wir zu der Erkenntnis, daß die Gefahr am wenigsten darin zu finden ist, daß derselbe aus religiöser Überzeugung stattfindet, vielmehr nur darin hauptsächlich, daß für Viele die Religionsfrage überhaupt ganz und gar gleichgiltig geworden ist, und unter diesen Manche sich dem Christentum zuwenden aus Gründen, welche mit eigentlicher Religion gar nichts zu thun haben, und welche

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