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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-11-01 · Heft 11 (1.11.1897) · p. Seite 250

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 11 (1.11.1897)
Date
1897-11-01
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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P""'" » ' »: -—-— -—=™—‘ .• -' '—.'T->. « -*r — 250 — geraten, so daß das -Ganze des Judentums als ein unvollendetes Werk betrachtet werden niuß. Dies wäre gar nicht zu bedauern und dem starren Abschluß des Christentums entschieden vorzuziehen, wenn nicht das Fundament der jüdischen Religion: „Der feste und unerschütterliche Glaube an die Existenz enter waltenden Gottheit", welcher früher bei den Juden allgemein vorhanden war, in demselben Maße wie die Anerkennung des alten Testaments allmählich abgenommen hätte. Die verschiedenen Definitionen des Gottesbegriffs, welche von der Philosophie versucht worden waren, haben ihrerseits wesentlich dazu brigetragen, den Glauben an die 'Existenz der Gottheit vollends zu erschüttern. Auf die Frage, wer noch als echter Jude zu betrachten ist, müssen wir antworten, daß es im richtigen Sinne nur derjenige ist, welcher den Glauben an eine allmächtig waltende Gottheit hat, die ihm als Inbegriff der Gerechtigkeit und Liebe gilt und welcher zugleich den tngendfördernden Einstuß dieses Glaubens richtig erkennt und durch sein Verhalten bethätigt, ohne aber die den Glauben beengenden und verwirrenden Zusatzlehren der aus ihm hervorgegangenein christlichen und mohammedanischen Religion anzuerkennen. Ans diesem Glauben ist ausschließlich das Judentum gegründet, durch diesen Glauben hat es sich bis zum heutigen Tage erhalten, ohne diesen Glauben und die durch denselben bewirkte Jntakterhaltung wäre der jüdische Volksstamm längst durch Bermischlmg mit anderen verschwunden. Dieser Glaube muß daher als die einzige und eigentliche Beglaubigung des Judentums angesehen werden. Die Beobachtung der jüdischen Observanzen genügt hierfür nicht, da dieselben ««zweifelhaft nur als Schutz zur Erhaltung dieses Glaubens eingeführt wurden. Ohne richtigen Glauben gleicht die orthodoxe Judenschaft einer Schildwache, die vor alter Zeit zur Bewachung eines Schatzes vor einem Hause aufgestellt wurde, und die immer noch erneuert wird, obgleich der Schatz in dem Hause gar nicht mehr vorhanden ist. — Auch erscheint es als Irrtum, die prinzipielle Berechtigung der jüdischen Observanzen, wie sie in den mosaischen Gesetzen enthalten sind, noch verteidigen zu wollen, nachdem die Beobachtung dieser Observanzen, sowie die Erfüllung der Gesetze überhaupt, im Laufe der Zeiten größtenteils unmöglich und dadurch hinfällig geivorden ist. Sich an den zufällig noch verbliebenen Rest derselben anklammern zu wollen, hat eigentlich keine religiöse Bedeutung, aber immerhin noch einen Wert im Sinne derjenigen, ivelche dadurch die Erhaltung des Judentums bezwecken, indem sie die Schale wegen des Kerns, das Gefäß wegen des Inhalts vor gänzlicher Zerstörung schützen wollen; in welcher Bedeutung die Observanzen aller Konfessionen zu respektieren sind, wenn auch die ursprüngliche Heilighaltung derselben an und für sich nicht mehr vorhanden ist. So betrachtet, ist die Beibehaltung unbequemer jüdischer Gebräuche immer noch verdienstvoller, als -die jetzt so häufig vorkommende Richtung sogenannter Juden, welche den Inhalt und das Gesäß, den Kern und die Schale wegwerfen. Diese können sicher-

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