Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 249 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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.1, i .. k i l *Ai- .WiWJ-«IPIP.*>.^'>J"IW»«!P(| — 249 — „entwickelte in der Phantasie jenes Dichters eine neue Erzählung, so kindlich, „einfach und echt antik, wie alle vorigen u. s. w. Man bemüht sich allerdings in neuerer Zeit wieder, derartige Veröffentlichungen zu beseitigen, aber ohne Erfolg; die Strömung ist eine zu mächtige geworden, um dauernd eingedämmet werden zu können. Die jüdische Religion hat — gegenüber der christlichen — den wesentlichen Vorteil, daß sie nur das alte Testament zu vertreten braucht, während die christliche Religion beide Testamente als göttliches Wort anerkennt, zu ihrer Rechtfertigung das alte Testament neben dem neuen Testament nicht entbehren kann, aber nicht im Stande ist, die Wiedersprüche aufzuklären, welche zwischen vielen Berichten und Lehren des alten, und solchen des neuen Testaments bestehen, ganz abgesehen von den vielen inneren Wiedersprüchen des letzteren, die von christlichen Kritikern aufgedeckt sind, und welche die unbedingte Rechtfertigung der christlichen Religion so sehr in Frage stellen. Auch im alten Testament sind innere Wiedersprüche vorhanden, dieselben erstrecken sich aber nicht auf die Grundlage der jüdischen Religion. Auch ist die jüdische Religion von ihren Vertretern niemals als eine fertige, vollendete, vollkommene betrachtet worden, vielmehr haben dieselben zu jeder Zeit — wenn eben möglich — Verbesserungen, Reinigungen, Aufklärungen und sonstige zeitgemäße Anordnungen, ganz besonders im ethischen Sinne, vorgenommen, wie das oben angeführte Beispiel von der Läuterung der Anschauungen über die Vergeltung des Guten und Bösen beweist und auch der Talmud hat dies Verfahren stets gebilligt und fortgesetzt. Das Widerstreben der Juden gegen die Annahme der Religionen, welche ihnen nach und nach von Heiden, Christen und Mohammedanern aufgedrängt werden sollten, ist begründet durch die Ueberzeugung, daß die jüdische Religion jenen anderen vorzuziehen ist, nicht aber durch die Behauptung, daß die jüdische Religion eine vollkommene und allein seligmachende ist. Deshalb läßt dieselbe eine Weiterbildung zu, im Gegensatz zur positiv-christlichen, welche durch ihren absoluten Abschluß eine Weiterbildung nicht zuläßt. Die jüdische Religion hatte sich stets in aufste ige nder Linie bewegt, und bei Beginn des Christentums bei dem letzten Teile des jüdischen Volkes seine damalige höchste Stufe erreicht. Das Christentum hat sie so übernommen und in absteigender Linie fortgesetzt, bis zur Entstellung des neuen Testaments, und seitdem durch neue Deutungen desselben teils den Rückschritt fortgesetzt, teils eine Rückkehr zu reineren Anschauungen versucht, welcher Versuch aber nur durch das Preisgeben der positiv-christlichen Grundlagen möglich war. — Die Richtigkeit dieser Behauptung wird der unparteiische Forscher erkennen und demgemäß auch beweisen können. Durch das Fehlen einer maßgebenden Autorität ist die einheitliche Weiterbildung jüdischer religiöser Anschauungen seit vielen Jahrhunderten ins Stocken