Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 248 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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248 werden. Es ist daher an eine Weiterbildung der positiv-christlichen Glaubenslehre nicht zu denken. In vielen Ländern sucht man in der Schule, beim Gottesdienst, und auch sonst, durch alle mögliche Mittel die Religion durch den Hinweis auf die Bibel als göttliches Wort zu erhalten. Da aber in unserer Zeit durch Zeitungen, Zeitschriften und litterarische Veröffentlichungen jeder Art sowohl, als auch durch öffentliche Vorträge und privaten Gedankenaustausch ganz entgegengesetzte Ansichten verbreitet werden, von welchen der Volksgeist ganz erfüllt ist, daß eine Umkehr unmöglich erscheint, so entsteht hier ein Antagoismus, welcher bei den Meisten auch den letzten Rest des früheren Glaubens zerstört und sie für jedwede Belehrung im Namen der Religion unzugänglich macht. Schon von siebenjährigen Kindern hört man den Ausspruch: „Was in der Bibel steht, ist ja alles nicht wahr." Ist dies denn auch anders zu erwarten, wenn der Jugend von der einen Seite Auszüge aus der Bibel als „göttliches Wort" mitgeteilt, von anderer glaubwürdiger Seite dieselben Geschichten aber als Fabeln bezeichnet werden? So liest die Jugend z. B. in der Beckerschen „Weltgeschichte für die Jugend", einem weitverbreiteten Werke, Stellen wie die folgenden: „Diese Juden hatten unter ihren heiligen Büchern auch eine solche Traditionen- „sammlung, die sie fälschlich ihrem berühmten Gesetzgeber Moses zuschrieben, „und die auch noch jetzt unter dem Namen des ersten Buches Mose an der „Spitze unserer Bibel steht. Es ist augenscheinlich eine Reihe von Volksgesängen, „in denen wie im Homer, Wahrheit und Dichtung vermischt ist, und die im „Ton und Inhalt Spuren höchsten Altertums verraten. Ferner: „Niemals aber fehlte es auch dem rohesten Volke an poetischen Köpfen, die „ihre Phantasien über solche Gegenstände in dem Entzücken der Begeisterung „für göttliche Eingebung, mithin für Wahrheit, halten, und sie auch ihren „Hörern als solche verkündigen. „So ist es gewesen", sagte der Dichter, „wenn er sagen sollte, so würde es gewesen sein', wenn es nach mir ge- „ gangen wäre. Ferner: „So phantasierte der ungebildete Mensch über den Ursprung seiner Natur und „so beschränkt dachte er sich den Schöpfer des Weltalls. Diesem nach zu „untersuchen, wo das Paradies gelegen, würde ebenso thöricht sein, als er- „ gründen zu wollen, zu welcher Tiergattung der Cherubim gehörte, den Gott „nach der Erzählung desselben Dichters vor den Eingang des Paradies gestellt „haben soll, um den Verwiesenen die Rückkehr zu verwehren. Ferner: „Wie es nun zugegangen, daß die Menschen sich so bald von einander getrennt, „und sich allmählich über die ganze Erde verbreitet haben; diese Frage