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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-11-01 · Heft 11 (1.11.1897) · p. Seite 247

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 11 (1.11.1897)
Date
1897-11-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 jüdischen Volkes gilt, so muß die ganze Geschichte eigenartig erscheinen. Ebenso die Stelle 2 Könige 2,23 24, wo es heißt: „Und er (Elisa) ging hinauf gen Beth-El. Und als er auf dem Wege hinan „ging, kamen'kleine Knaben zur Stadt heraus, und verspotteten ihn und sprachen „zu ihm: Kahlkopf komm herauf! Kahlkopf komm herauf! Und er wandte „sich um, und da er sie sah, fluchte er ihnen im Namen Gottes; „da kamen zwei Bären aus dem Wald und zerrissen der Knaben zwei „und vierzig. Da Elisa in der Bibel als Prophet d. h. als Gottesbote betrachtet wird, so muß die obige Stelle als eine Verhöhnung der menschlichen Vernunft und Moral angesehen werden. Trotz alledem wird auch jetzt noch verlangt, daß der ganze Inhalt der Bibel als göttliches Wort betrachtet und anerkannt wird. Den meisten Menschen unserer Zeit ist dies unmöglich geworden, namentlich da wir jetzt auch wissen, daß die Berichte der Bibel meistens nicht von Zeitgenossen herrnhren, sondern erst nach Jahrhunderten, auf mündliche Ueberlieferungen hin, niedergcschrieben wurden, wobei für das neue Testament noch der Umstand hinzukommt, daß uns dasselbe in unzähligen Varianten — die von Manchen auf 30000, von Anderen sogar bis auf 80000 geschätzt werden — überliefert ist. Die Meisten wollen überhaupt von der Bibel nichts mehr wissen und wenden sich dadurch thatsächlich von der jüdischen und christlichen Religion ab, die ausschließlich auf den Glauben an den Inhalt der Bibel angewiesen sind. Selbstverständlich fällt dadurch auch der Glaube an die Existenz einer waltenden Gottheit, welche nur durch den Glauben an die Wahrheit der biblischen Berichte geschaffen und erhalten worden war. Der Versuch, etwa einen Teil der Bibel als göttliches Wort und einen anderen Teil als Menschenwort zu erkennen, erscheint den Meisten als vergeblich. Wenn wir versuchen, das göttliche vom menschlichen zu sondern, so kann diese Sonderung allerdings nur nach menschlichem Urteil geschehen. Wir können uns bemühen, durch unsere menschliche Intelligenz herauszufinden, was etwa göttlichen Ursprungs sein könnte, während dieselbe Intelligenz Anderes, weil mangelhaft, nicht als göttlich betrachten kann. Die Beglaubigung des Göttlichen geschieht nur auf unser menschliches Urteil hin, daher das etwa als göttlich anerkannte auch wieder auf menschliche Combination zurückzuführen ist und dadurch den absoluten Anspruch, als göttliches Wort zu gelten, verliert. Die christliche Religion hat nun ihre auf die Bibel als göttliches Wort gegründete Lehre, sowie das daraus hervorgegangene Glaubensbekenntnis, endgültig abgeschlossen und betrachtet Jeden, der ihre Dogmen in Frage stellt, als Ketzer; an dem Inhalt der Bibel darf nicht gerüttelt werden, dieselbe soll ganz und gar als göttliches Wort, also erhaben über jede menschliche Verbesserung, betrachtet

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