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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-11-01 · Heft 11 (1.11.1897) · p. Seite 246

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 11 (1.11.1897)
Date
1897-11-01
Page
Seite 246 (sequence 6)
Language
German
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246 * - - - Wir sehen also hier, wie mangelhafte, ungerechte und unlogische Anschauungen der Bibel allmählich durch bessere ersetzt und schon im alten Testament geläutert worden bis zu der Lehre von dem liebenden, barmherzigen Vater, der lieber vergiebt als bestraft, und von dem Einfluß der Reue und Besserung der Menschen auf die unerschöpfliche Gnade Gottes, und zwar in viel würdigeren und gehaltvolleren Worten als in denen des alten und neuer, Testaments: „Ihr Otterngezüchte, wer hat euch denn gewiesen, daß ihr dem zukünftigen "Zorne entrinnen werdet? Sehet zu, thut rechtschaffene Früchte der Buße „(Matth. 3,7, 8)." und als in ähnlichen erbitterten und erbitternden Bußreden des neuen Testaments. Aber auch die so geläuterte Anschauung mußte durch den Hinblick auf den Verlauf des menschlichen Lebens erschüttert und durch die Hoffnung auf die Ausgleichung in einem zukünftigen Leben ersetzt werden. Diese Hoffnung führte zur Lehre von der Unsterblichkeit des Menschen, welche seit Jahrhunderten für das jüdische Volk die wichtigste religiöse Frage war, die aber nicht zum starren Abschluß gelangte, weil man Bedenken trug, eine Hoffnung, so gerechtfertigt solche auch erscheinen mochte, ohne göttliche Sanktion, für eine Gewißheit auszugeben. Diese Gewißheit, welche die christliche Religion angeblich gebracht haben sollte, hat sich für die Meisten jetzt wieder auf denselben Grad von Hoffnung reduziert, welchen das jüdische Volk schon — vor Entstehung der christlichen Religion — seit Jahrhunderten gehabt hatte, so daß auch in dieser Frage die christliche Religion einen Fortschritt gegen die jüdischen Anschauungen nicht aufzuweisen hat. Nachdem wir mit diesem Beispiel bewiesen haben, daß der Gesammtininhalt der Bibel nicht als göttliches Wort gelten kann, mag als Beispiel für biblische Mitteilungen, die so unbedingt verwerflich erscheinen, daß auf jedwede Verbesserung oder annehmbare Auslegung derselben verzichtet werden muß, die Geschichte Jakobs dienen, welcher durch den väterlichen Segen für sich und seine Nachkommen die göttliche Bevorzugung erwirbt, obgleich dieser Segen durch einen argen Betrug von Seiten Jakobs erwirkt worden war. Derselbe Jakob sagt: „So Gott wird mit mir sein und mich behüten auf dem Wege, den ich reise „und mir Brot zu essen und Kleider anzuziehen giebt und mich mit Frieden „wieder heim zu meinen Vätern bringen wird, so soll der Herr mein Gott sein" und weiter: „alles was du mir giebst, daß will ich dir verzehnten" (Mose 28,20—22). Nachdem er früher sich das Recht der Erstgeburt auf unrechtmäßige Weise erworben hatte, vergrößerte er später sein Vermögen auf ebenso unrechtmäßige Weise, und sagt zu seiner Rechtfertigung: „also hat Gott der Herr die Güter eures Vat.'rs ihm entwendet und mir „gegeben." (1. Mose 31,9) Da Jakob als der von Gott auserwählte und beschützte Stammvater des

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