Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 11 (1.11.1897)
- Date
- 1897-11-01
- Page
- Seite 245 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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.-«■. --7- «W*-r — 245 — „Juden gerade so glücklich oder unglücklich gemacht habe, als es dessen Gehorsam gegen das Gesetz verdiente." Die Weisen des jüdischen Volkes glaubten ein derartiges Wunder allerdings in den Schicksalen der Nation bestätigt zu finden, während es in dem Lebenslauf jedes Einzelnen sicher vermißt wurde. Sie nahmen ihre Zuflucht zu einem Apell an die Liebe der Eltern zu ihren Kindern und Kindeskindern, indem sie später sagten: „2. Mose 34,7: der du die Missethat der Väter heimsuchst an Kindern und „Kindeskindern bis in's dritte und vierte Glied." Daß diese Voraussetzung nach den heutigen Anschauungen eine tiefe Berechtigung hat, wenn wir an Vererbung, Erziehung, Beispiel und Macht der Gewohnheit denken, welche ihren Einfluß auf mehrere Generationen ausüben und erst spät durch wiederholte Kreuzung wieder ausgeglichen werden, — daher auch Heirat unter Verwandten verpönt ist — dies will ich hier nicht weiter ausführen. Damals erkannte man, daß diese Androhung zu bedenklichen Bußverständnissen führen müsse und verbesserte dieselbe: „5. Mose 5,9, 10: der die Missethat der Väter heimsucht an den Kindern „ins's dritte und vierte Glied, die mich hassen, und Barmherzigkeit „erzeugt in Tausende hinaus bei denen, die mich lieben u. s. w. Da auch diese Ansicht durch die Erfahrung nicht bewährt erschien, sagte man später: 5. Mose 7,9, 10: ein treuer Gott, der den Bund und Barmherzigkeit hält „denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, bis auf tausend Geschlechter, „und vergiltt denen, die ihn hassen. Diese verbesserte Anschaung wird bestätigt durch: 2. Mose 32,33: Ter Herr sprach zu Moses: Ich will den aus meinem „Buche tilgen, der an mir sündigt" und „5. Mose 24,16: die Väter sollen nicht für die Kinder sterben, sondern ein „jeglicher soll für seine Sünden sterben und weiter: „Hesekiel 18,20—24: denn welche Seele sündigt, die soll sterben. Der „Sohn soll nicht die Missethat tragen des Vaters, und der Vater soll nicht tragen „die Missethat des Sohnes, sondern des Gerechten Gerechtigkeit soll über ihm „sein, und des Ungerechten Ungerechtigkeit soll über ihm sein. Wo sich aber „der Gottlose bekehrt von allen seinen Sünden, die er gethan hat und hält „alle meine Rechte und thut recht und wohl, so soll er leben und nicht sterben. „Es soll aller seiner Uebertretung, so er begangen hat, nicht gedacht werden, „sondern er soll leben um der Gerechtigkeit willen, die er thut. Meinst du, „daß ich Gefallen habe am Tode des Gottlosen, und nicht vielmehr, daß er „sich bekehre an seinem Wesen und lebe?"