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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-11-01 · Heft 11 (1.11.1897) · p. Seite 243

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 11 (1.11.1897)
Date
1897-11-01
Page
Seite 243 (sequence 3)
Language
German
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“ : - r — 243 — Die vorherrschend pessimistischen Anschauungen der modernen Philosophie wären für die Menschheit nur nachteilig oder gleichgültig, wenn sie nicht das Verdienst hätten, in drastischer Weise Zeugnis dafür abzulegen, daß das sogenannte „Reich Gottes" nicht gekommen und wohl auch nicht in Sicht ist, indem geistreichen, erfahrenen und gelehrten Männern der bisherige Zustand der Menschen — auch bis heute noch — so trostlos erscheint, daß sie an der Möglichkeit einer künftigen wesentlichen Besserung ein für allemal verzweifeln. So schreibt Schopenhauer in seinerm Werke „Nachträge zur Lehre vom Leiden der Welt." (S. 323) „Wenn auch die Leibuiz'sche Demonstratiion, daß unter den möglichen Welten, „diese immer noch die beste sei, richtig wäre, so gäbe dies noch keine Theodicee „(Rechtfertigung Gottes), denn der Schöpfer hat ja nicht bloß die Welt, „sondern auch die Möglichkeit selbst geschaffen; er hätte demnach diese darauf „einrichten sollen, daß sie eine bessere Welt zuließe. . Wenn man alle philosophischen Systeme geprüft hat, dem bleibt als das einzige etwa haltbare das übrig, was man als „Ethik" betrachtet, oder so nennt. Während man in Frankreich 1793 die Vernunft zur Göttin erhoben Hatte, wollten manche jetzt die Ethik an deren Stelle setzen und damit eine Art von Atheismus begründen, welcher dem von 1793 ziemlich gleichkommt. Man erklärt, daß es der Menschheit genüge, Tugend — Gerechtigkeit, Menschenliebe, Gemeinsein u. s. w. — zu üben, eine andere Religion sei zu entbehren. Die Menschheit, allein auf sich sebst angewiesen, werde eher ihre Verpflichtungen zu erkennen und zu erfüllen suchen, als wenn sie durch sogenannte göttliche Gebote dies in knechtischer Weise versuche. Man hält sich an Moral, Sittlichkeit, guten Lebenswandel und sucht das Streben der Menschheit in dieser Richtung zu fördern, ohne Beihilfe der Religion. Allein die Vertreter dieser sogenannten „ethischen Kultur" übersehen ganz und gar, daß ihre Ermahnungen zur Tugend ja durchaus nichts Neues bieten, daß vielmehr die Bibel dieselben schon in bisher unerreichter Weise ausgesprochen hat, unerreicht, sowohl was den Inhalt, als was die Form betrifft. Glauben denn nun die „Ethiker", daß das Streben nach Tugend etwa mehr gefördert wird durch ihren Zusatz, daß dabei der Glaube an eine höhere Macht als überflüssig erscheint, als durch die Lehren der begeisterten Weisen der Bibel, welche den Glauben an die Gottheit als fördernde Kraft für alles Gute erkannt und gepriesen hatten? Die dadurch erhöhte Macht dieser Lehren ist jetzt allerdings erschüttert» weil der Glaube an die Existenz einer waltenden Gottheit seit der Zeit der sogenannten Aufklärung allmählich durch die Philosophie untergraben wurde. Wenn wir Ethik einstweilen kurz als „Pflichterkenntnis verbunden mit Pflichterfüllung"

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