Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 239 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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— 239 chvr in wahrhaft ergreifender Weise einen Trauerpsalm. Herr Direktor Angela Neumann widmete dem Verstorbenen folgenden Nachruf: „In schmerzlichen Klagen stehen wir an Deiner Bahre, Karl Schlesinger, und fragen uns: Ist es möglich? — Der heitere Mund verschlossen? — Die frohe Laune versiegt für immer? — Der Wohllaut verstummt? — Ja, Du mußtest sterben, um uns weinen zu machen, Du, der uns die Gewohnheit des Daseins süß und freundlich gemacht hat, uns allen, als Mensch und als Künstler, uns und Dir selbst. Du hast es geahnt, als Du mit dem Aufgebot Deiner letzten Kräfte, pflichttreu wie Du Dein Leben lang s gewesen, Deine letzte Nolle spieltest, Du hast es gemerkt, wie der Tod Dir zuge-; flüstert: „Brüderl komm!" Es ist Dir schwer geworden, das Scheiden, aber kaum schwerer als uns. Das Institut, dem Du durch 22 Jahre Zierde und Stütze gei wesen, Deine Berussgeuossen, die große Zahl Deiner Freunde, sie können heute nur Deine Bahre mit dem Lorbeer schmücken, de» sie dem Lebenden neidlos gereicht haben. Und nur einen Abschiedsgruß für immer kann ich Dir, lieber Schlesinger, noch zurufen von dieser Statte, an der Du so lange erfolgreich gewirkt, Dir, der Du uns, der Kunst und Deiner Familie zu früh und grausam entrissen wurdest — ‘ armer Freund und Genosse — Fahr' wohl!" Dann sang der Chor des deutschen j Landestheaters mit Waldhornbegleitnng das Lied: „Es ist bestimmt in Gottes : Rat". Hierauf bewegte sich der Zug zum neue» israelitischen Friedhofe in Strajchnitz. Hier hielt in der neuen Zeremonienhalle der Feldprediger Herr Dr. Kisch eine tiefempfundene Rede. Am offenen Grabe hielt das Mitglied des deutschen; Landestheaters Herr Richard Tauber einen innigen Nachruf. — Der Komponist Woritz Wosrkowslri ist von Berlin nach Paris übergesiedelt, wo er seine musikalischen Arbeiten fortsetzen wird. — In Jerusalem ist von Jaffa aus der bekannte jüdische Landschaftsmaler Jsidoro Dann angekommen, um sich mit seiner Familie im Dienste jüdischer Kunst etwa aU Jahre aufznhalten. Herr Donn, der einer englisch - sephardischen Familie angehört, will sich ganz besonders den jüdischen Altertümern und dem heutigen jüdischen Leben widmen. — Dem bekannten Maler, Herrn Isidor Kaufmann, der sich gegenwärtig auf einer Studienreise in Russisch-Polen befindet, ist eine neue bedeutsame Anerkennung seiner künstlerischen Thätigkeit zu Teil geworden. Sein Bild „Das Bethaus in Sadogora", das in der letzten Wiener Kunstausstellung den Königswarter- Preis erhielt, ist auch in der Münchener Ausstellung mit der goldenen Medaille ausgezeichnet worden. — Man schreibt uns: Der Künstler Herr Karl Flesch, mit 15 Jahren mit dem I. Preise am Wiener und mit 20 Jahren mit derselben Auszeichnung am Pariser Konservatorium bedacht, wandte sich dem Konzertleben zu und hatte auch 1895 in Wien, 1896 und 97 in Berlin, Leipzig (Lißt-Verein), Straßburg, Halle, Budapest und anderen Städten geringerer Bedeutung außergewöhnliche Erfolge erzielt. Durch die durch diese Konzerte bewirkte Popularisierung seines Namens geschah es, daß die Ruinänische Regierung mit dem Anträge an