Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 238 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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238 Kommerzienrat Moritz Gersonschen Eheleute, bestehend aus dem Grundstücke Tiergartenstraße 4a von dessen Erlöse ein Zehntel den christlichen Armen Berlins und 18000 Mark dem jüdischen Krankenhanse zu Gute kommen sollten. Nach Beendigung eines langwierigen Erbschaftsstreites ist der ersterwähnte Teil des Vermächtnisses mit 139600 Mark der Stadtgemeinde ausgezahlt worden. Aus den Zinsen sollen alleinstehenden Damen der gebildeten Stände, die christlichen Glaubens sind, jährliche Beihilfen gewährt werden. 2) Die Therese Philipp-Stiftung 25000 Mark, aus deren Zinsen hilfsbedürftige, vaterlose, unbescholtene Töchter der gebildeten Stände jährliche Unterstützungen erhalten sollen. Endlich 3) die Rentier Louis Bier-Stiftung im Betrage von 30000 Mk., deren Revenuen in jährlichen Raten an Handwerkslehrlinge verteilt werden sollen,, welche die städtische Handwerkerschule oder Baugewerkschule in Berlin besuchen. Wealer, Wuflk und bildende Kunst. Seitdem Kichard Wagner in seiner bekannten Einseitigkeit gegen die „jüdischen" Komponisten Mendelssohn-Bartholdy und Meyerbeer Front gemacht hat, ist es Mode geioorden, auf diese beiden geringschätzig herabzusehen. Weil sie jüdischer Herkunft sind, sollen sie auch schlechte Musikanten sein. Hans von Bülow hat im Gegensatz zu dieser Voreingenommenheit die beiden Komponisten sehr geschätzt. Seine Urteile über Mendelssohn - Bartholdy haben bereits früher Verbreitung gefunden. Ein unbekanntes Urteil über Giacomo Meyerbeer findet sich in „Hans von Bülow's Briefen und Schriften" (Leipzig, Breitkopf und Härtel III, Seite 362) Seine Ehrenrettung Meyerbeer's hat im Lager der Wagnerianer unliebsames Aufsehen gemacht. Da die Verunglimpfung des Hauptbegründers der „großen Oper" eigentlich unter Fachkreisen ohne Unterschied des musikalischen Glaubens zum ewig guten Ton gehört, so sei die aus dem Jahre 1877 stammende Stelle citiert: „Wenn nun aber gar . . . Meister Giacomo als „überwundener Drache" niederposaunt wird und sich die auf seine Erfolge neidischen Pygmäen der „Jetztzeit" hiebei auf die olympischen Frechheiten zu berufen wagen, die Robert Schumann vor 40, Richard Wagner vor 25 Jahren gegen den vermeintlichen Antichrist geschleudert haben, so ist hiergegen einfach zu erwidern: Quod licet Jovi, non licet bovi. Schumann verstand von der Oper gerade so viel, als Rossini von der Symphonie; Wagner beging seine Ungerechtigkeiten mit mehr Bewußtsein, vermag jedoch entschuldigt zu werden durch die harten Gesetze des „Kampfes ums Dasein". — Unter großer Beteiligung aller Kreise der deutschen Bevölkerung Prags fand das Leichenbegängnis des langjährigen Mitgliedes der deutschen Landesbühne in Prag, Herrn Karl Schlesinger, statt. Die rituellen Gebete im Trauergemache verrichtete der Weinberger Rabbiner Herr Dr. Stark und nach denselben saug ein Doppelquartett des deutschen Landestheaters mit dem Weinberger Tempel-