Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 237 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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— 237 — ahmung anregen. — Die jüdischen Einwohner der Vorstadt Ehrenfel-, die bisher zur Synagogengemeinde Köln gehörten, sind von dieser Hauptgemeinde ausgetreten und bilden für sich eine eigene Gemeinde. Grundstück zu einem Friedhof ist auch schon vorhanden. — In Konstanz wurde Herr Dr. Hannes zum Rabbiner gewählt. — Am 1. August sind es fünfzig Jahre, seitdem in der Synagoge zu Königsberg der erste deutsche Gottesdienst abgehalten wurde. Schon damals verstanden die meisten Juden nicht so viel Hebräisch, daß sie dem Rabbiner und Vorbeter mit vollem Verständnisse hätten folgen können, und zumal dem weiblichen Geschlecht war die Kenntnis der Gebete in der Ursprache meist abhanden gekommen. So entschloß man sich denn, teilweise deutschsprachigen Gottesdienst einzuführen und zwar sowohl am Sabbat wie am Sonntag. Als die Erlaubnis der Regierung eingetroffen war, wurde vor fünfzig Jahren der erste Versuch gemacht. Der damalige Kantor Weintranb hatte zu dieser Gelegenheit Choralgesänge komponiert, die von Instrumental-Musik begleitet wurden, und der Prediger Dr. Saalschutz hielt eine Rede, deren Text der Vers des Psalmisteu war: „Erwache meine Ehre, erwache Psalter und Harfe, ich will den Morgen wecken." — Herr Regierungsbaumeister Max Grünfeld ist zum Stadtrat in Kattowitz gewühlt worden. — Die vor einigen Wochen verstorbene Frau ^Konsul Drons, eine Nichtjüdin in Emden, hat unter ihren letztwilligen Verfügungen auch zwei Wohlthätigkeits-Anstalteu der dortigen jüdischen Gemeinde bedacht. In hochherziger Weise bestimmte sie für das israelitische Asyl und für den Waisenverein je ein Legat von 500 Mk. Diese Vermächtnisse ehren das Andenken der verewigten Stifterin umsomehr, als sie eine in unseren Tagen doppelt seltene, edle, vorurteilsfreie Gesinnung zum Ausdruck bringen. — Der Professor der Chemie Dr. Lassar-Eohn in Königsberg wird als Dozent an die Universität München übersiedeln und zugleich als Direktor der Volkshochschulkurse fungieren, die nach Art der englischen „University Extension" ein festgefügtes Ganzes werden sollen. — Der älteste Mann der Stadt Wetz ist der Pfründner im israelitischen Hospital, Lion Eisenstein, welcher am 4. Oktober d. Js. das Alter von 102 Jahren erreichen wird. Er ist verhältnismäßig noch rüstig und geistig sehr rege. — Von der rühmlichst bekannten Novellistin, Frau Nahida Lazarus (Rsmy), wird in Kurzem ein neues Buch .unter dem Titel: „Ich suchte Dich" die Presse verlassen. — Das Polizeipräsidium in Herlin niacht bekannt, daß der Kaiser einer größeren Anzahl neuer Straßen und Plätze Berlins Namen verliehen hat. Wir finden darunter auch eine Straßmann - Straße zur Erinnerung an den ehemaligen Stadtverordnetenvorsteher von Berlin. — Die deutsche Wissenschaft hat durch den Todes berühmten Chemikers Geheinirat Viktor Weyer in Heidelberg einen unersetzlichen Verlust erlitten. Meyer, der zum Christentnme übergetreten, war der Sohn des Berliner Kattunfabrikanten Jaques Meyer. — Größere Zuwendungen sind der Stadtgemeinde Herlin im abgelaufenen Geschäftsjahre fünf gemacht worden, davon stammen drei von Juden. Es sind dies: 1) Die testamentarische Zuwendung der