Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 229 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969848--5202-2974494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
229 er, „ich komme vom Throne des Ewigen. Er hat Deine Klage gehört und mich gesandt, Dir das Wasser des Lebens zu bringen. Wenn Du aus diesem Gefäße trinkest, so wirst Du unsterblich werden nnd ewige Jugend genießen. Trinkest Du aber nicht, so gehst Du, weun Deine Stunde kommt, den Weg alles Fleisches. Der Allmächtige hat die Wahl in Deine Hand gelegt, thue, was Dir gefällt." Damit setzte der Engel das Gefäß nieder und verschwand. Salomo ward von tiefen Zweifeln befallen und besprach das Wunder mit den Nächsten seines Thrones. Alle rieten zur Unsterblichkeit mit Ausnahme Batmars, des weisesten seiner Ratgeber. „Großer König," sprach dieser, „ist dieses köstliche Wasser für Dich allein bestimmt, oder darfst Du auch andere von demselben trinken lassen?" „Der Höchste," antwortete Salomo, „hat nur mir allein diese Gunst erzeigt." „Dann," fuhr Batmar fort, „werden Deine Kinder, Deine Freunde, kurz alle Menschen, die Dir lieb sind, Dir nach nnd nach entrissen werden. Wie ein Baum, den man jährlich seiner schönsten Äste beraubt, wirst Du die Lieblinge Deines Herzens verlieren und bald, wie dieser, einsam, kahl und freudenlos um alle klagen. Was für Reize kann eine Unsterblichkeit bieten, deren Los unaufhörliche Trauer ist? Wenn nicht alle, die Du liebst mit Dir unsterblich werdenso ist Unsterblichkeit eine ewige Qual." „So denke auch ich," sprach der König. „Diese Erde ist nicht dazu geschaffen, unsterbliche Wesen zu tragen, sonst müßte die Sonne uns auch immer leuchten. Meine Klagen waren ungerecht. Ein Weiser, der ewig in diesem Thal der Thorheit wohnen, der ewig die Fesseln irdischer Begierden tragen müßte und kein Ende des Weges vor sich sähe, der wäre der unglücklichste Mensch unter dem Himmel." Als Salomo darauf das Gefäß anblickte, war das Lebenswafser in demselben vertrocknet. Er kniete demütig nieder und betete: „Herr, verzeihe Deinem Knechte, wenn er Dich in Deinen Werken tadelte. Bei Dir allein ist die rechte Weisheit, Du hast alle Dinge durch sie geordnet und der Sohn des Staubes kann nichts, als nur Dein Thun bewundern." Aus dem Leben Worih Karlmann's. Im zweiten Lustrum der 50 er Jahre dieses Jahrhunderts befand sich Hart» mann in Amsterdam. Eines Tages machte er mit einer befreundeten Familie eine Landpartie nach einem benachbarten kleinen Orte. Die Familie fuhr in einer Equipage, er, H>, ritt nebenher.