Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 228 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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— 228 — deren Vermögen aber treulich umgegangen und nichts davon aufgeschlagen werde." Der Rabbiner hatte auch einer „Jeschibah" (Talmudschule) vorzustehen, die Kosten wurden aus der Talmud-Thora Kasse gedeckt, die heute noch als „Israelitische Provinzialschulkasse" besteht. Bei jeder Hochzeit mußte 1 Prozent der Mitgift an die Kasse abgegeben werden. Die Landtage haben auch Gesetze gegen den Luxus erlassen. Die Weiber, so lautet eine Verordnung aus dem Jahre 1718, sollen an ihren Hauben und Mützen sowie an ihrem Nachtzeug keine Spitzen tragen, von denen die Elle mehr als 1 Thaler kostet, Perlen und Juwelen sind nur in Ohrringen gestattet, Diamanten gar nicht, Korallen und goldene Ketten sind unter den Kleidern zu tragen. Aus Seide und Sammt durften nur die Sabbat- und Feiertagskleider gefertigt sein, die seidenen aus einfarbigen, die sammtenen nur aus ein- und dunkelfarbigen Stoffen. Mädchen durften gold- und silberdurchwebte Stoffe zu Schuhen und Pantoffeln benutzen. Es war strenge untersagt, in ausgeschnittenen Kleidern zu gehen und sich zu schminken. 1690 wurde verordnet, daß das Verschenken von Schuhen von Seiten des Bräutigams an seinem Hochzeitstage an eine Anzahl von Verwandten zu beschränken sei und daß er nur seiner Braut Schuhe und Pantoffeln kaufen dürfe, und heute noch hat in Hessen jeder Bräutigam die vermeintlich religiöse Verpflichtung, seiner Braut am Hochzeitstage ein Paar Schuhe überreichen zu lassen. Auch in Bezug auf Speisen bei Festlichkeiten wurden Verordnungen erlassen und Spielverbote. Nur das Schachspiel war immer gestattet. 1807, mit dem vorläufigen Sturze der Hessischen Regierung und der Errichtung des Königsreiches Westfalens, erreichten die Landtage ihr Ende. 1818 wurde von der Hessischen Regierung das Schutzgeld offiziell aufgehohen und aus den Schutzjuden wurden israelitische Staatsbürger. Das Wasser des Lebens. Legende nach Herder. . Der König Salomo klagte einst über die Kürze des menschlichen Lebens. „Was hilft mir meine von den Menschenkindern so gerühmte Weisheit, da mir nicht vergönnt ist, die Früchte derselben zu genießen? Der größte Teil meiner Tage ist verflossen, ehe ich klug ward, und nun, da ich aufangen will, meine Erfahrungen zu nützen, stehe ich schon am Rande des Grabes. Was ist die Weisheit der Menschen anderes, als eine vergängliche Blüte? Sie treibt viele Tage und Wochen, bis endlich ihr Kelch sich öffnet. Sobald sie aber ihre Reife vollendet hat, verwelkt sie, ohne von der eigenen Frucht zu genießen." So sprach der König und trauerte. Siehe, da stieg ein Engel mit einem leuchtenden Saphirgefäß in den Händen von Hinnnel hernieder. „Salomo," sprach