Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 230 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969848--5203-2974495- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
230 Sie kehrten in dem Orte irgendwo ein. Während dieses Aufenthaltes wird Hartmann's Aufmerksamkeit rege gemacht durch ein Geräusch, das sich wie lautes Flehen und Beten anhörte. Er frug den Wirt nach dem Sachverhalte. Dieser erklärte ihm, im Orte halte sich eine jüdische Kunstreitergesellschaft auf, die oben in seiner Scheune ihren Vorabend-Gottesdienst des sog. langen Tages abhalte. Als Hartmann dies hörte, ging er sofort in die Scheune, um diesem unter so außerordentlichen Umständen stattfindenden Gottesdienst zu lauschen. Er hielt sich bescheidenerwcise zurück und kam in die Nähe eines Frauenzimmers zu stehen, deren schwermütige Teilnahme am Gebet ihn anzog. Um mit ihr ein kurzes Gespräch anzuknüpfen, frag er sie nach dem (ihm übrigens mitgeteilten) Grund der Gebetsversammlung. Bei dieser Gelegenheit erzählte sie ihm, bei der Reitergesellschaft und für das Publikum heiße sie Miß Arabella, eigentlich sei aber ihr Name Jettchen Mannheimer und ihr Geburtsort Paderborn in Westfalen. Die Erzählungen dieser Frau sowie der ganze Gottesdienst an diesem hehrsten aller jüdischen Abendfeierlichkeiten haben auf unfern Hartmann, der schon in seinem neunten Jahre von seinem Vater in eine Kirche geführt und da getauft wurde, einen, wie er sagte, unbeschreiblichen Eindruck gemacht. Alles, was er bis zu seinem neunten Jahre in seiner jüdischen Umgebung in Dnschmik in Böhmen erlebte, fiel ihm schwer auf's Herz. Es beschlichen ihn eigentümliche Gedanken. Plötzlich entfernte er sich, ging in die Wirtsstnbe zu seiner Gesellschaft, die ihn auffallend verändert fand. Sie frugen ihn nach seinem Befinden, er erklärte sich für unwohl und wollte zurück nach Amsterdam — vielleicht in die Synagoge! Alles dieses ist aus seinen eigenen Schriften wiedergegeben, Salomon Levy. Unser Israel. 1. Finsternis, Heidentum, Mutig ein Volk erwacht, Götzendienst, Kriegesruhm, Eben erst selber frei Aus harter Sklaverei, Da in der Geistesnacht 2. Und in der Jugendzeit Voll Mut und Tapferkeit Kämpfet und ringet es, Wüsten durchdringet es, Bis es ein Heimatland Einnimmt mit eig'ner Hand, Predigt es Menschlichkeit, Hier erst erblühet es, Heilig erglühet es Liebe und Sittlichkeit. Einen Gott lehret es, Menschen bekehret es, War unser Israel, Ja unser Israel, Ja unser Volk! Für seine Weltmission, Für seine Religion, War unser Volk!