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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-10-01 · Heft 10 (1.10.1897) · p. Seite 223

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 10 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 223 (sequence 7)
Language
German
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223 V " ■'* 'l\ r 'T'*'- ~».*r '‘W~*rnr”* ~ . und den Himmeln wölbet ihre Kreise, der erhaben ist über alle Zeitlichkeit, gerade nur heute sich von uns finden lassen, daß wir von ihm Vergebung hoffen für unsere Schuld? War nicht gestern und ist nicht morgen und ist nicht zu allen Zeiten uns nahe sein Erbarmen, daß, so wir in Demut unsere Missethat vor ihm bekennen, so wir in Demut zu seinem Gebote zurückkehren, er uns wiederum zu sich aufnimmt, wie ein Vater gütig wieder aufnimmt den Sohn, der von seinem Antlitz hinweg sich verloren und abgewendet? Haben es unsere Väter nicht in ihrem tiefsten Elend und mitten unter den finstersten Verfolgungen freudigen Herzens bekannt: „Die Gnade des Ewigen endet nicht, sein Erbarmen hört nicht auf, wie mit jedem Morgen von Neuem austeuchtet ein erhellender Tag, ebenso bewahrt stets von Neuem sich Deine Güte, Deine Treue." Wie? Nur an diesem einen heutigen Tage soll es uns möglich sein, den Frieden unseres Innern wiederherzustellen, den Friedensbund unseres Hauses noch einmal zu befestigen und wäre es nicht thöricht, zu glauben, daß wenn >vir nur in solchem heiligem Werke thätig sind, wir dann das ganze Jahr hindurch daran nicht weiter zu arbeiten hätten? Kann nicht jeder Tag für uns ein Versöhnungstag werden, wenn wir ihn nur dazu machen wollen? Konnte nicht jeder nach seinem Wollen und Belieben, nach seinem Herzenszuge und Seelenbedürfnisse sich selbst die Zeit wählen, in der er, zurückgezogen von der Erde, nur dem Göttlicherl allein würde hingegeben sein mit seinen Werken und Gedanken? Nun diese Fragen möchte das heutige Gottesfest, das so bald wiederum wird von uns weggezogen sein, uns noch beantworten, indem es in das Innere seiner eigentlichen Bedeutung uns einführt. Es verneint diese Fragen gerade nicht, es würde dies gerade nicht als eine Verletzung seiner Würde ansehen, wenn wir auch an den anderen Tagen des Jahres in ernster Andacht uns erhabener Seelenbetrachtung vor Gott verweilen, es lehrt uns ja vielmehr, daß jeder Tag eine Zeit des Gottesgerichts, daß unser ganzes Leben ein ununterbrochener Gottesdienst, daß unsere ganze Gesinnung und Thätigkeit soll von einem stetigen Gottesbewußtsein getragen, von dem Geiste der Wahrheit und der Tugend, des Lichtes und des Friedens geleitet sein, aber ebendarum will es uns sagen, worin denn die Notwendigkeit seiner besonderen Einsetzung bestehe, ivorauf denn seine eigentliche und höhere Bedeutung beruhe. Nun, wir brauchen jetzt nur im Geiste Umschau zu halten, uns umzusehen, und sofort wird die Größe und Heiligkeit dieses erhabenen Gottestages uns klar und sichtbar werden. Stehen wir, steht das ganze über dem Erdenrunde zerstreute Israel nicht heute, gesammelt und geeint, vor dem einen ewigen Weltengotte, alle die eine Verehrung im Geiste, alle die eine Erhebung im Gemüte, alle den einen Glauben im Herzen, alle das eine Bekenntnis auf den Lippen? „Höre Israel, der Ewige unser Gott, der Ewige ist einzig." Nicht einer allein, ganz Israel ruft es heute in den Himmel empor, in die Welten hinaus, der Gott und Weltenherr, den wir bekennen, er allein ist ewig und einzig, das klingt heute gewaltig von einem Ende der Erde

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