Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 10 (1.10.1897)
- Date
- 1897-10-01
- Page
- Seite 221 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969848--5194-2974486- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
221 in Gott" bedeutet und etwas in seiner Ursprache erweitert: der Mann „den Gott als den Ersten" verkündet. Es ist dies eine Bezeichnung, neben welcher alle königlichen Edelmannverleihungen verdunkelt oder nichtig werden. Es waren schon zwei und dreißig Jahrhunderte verflossen, d. h. sieben Jahrhunderte vor der Geburt des Griinders Roms, als Moses, der begeisterte Gesetzgeber die Kinder Israels in ein Volk vereinigte nnd wir haben uns hier versammelt, um heute Abend eine Abschrift der Gesetze, welche Moses selbst zur Regierung seines Volkes verfaßt hatte, als Zeugnis für die kommenden Geschlechter an sicherem Orte zu hinterlegen. Mit vollster Überzeugung bin ich von der Verehrung zu einer Religion, wie diese es ist, durchdrungen; ich verehre sie, für das was sie enthält und bewundere sie um das, was sie in Wirklichkeit geleistet hat. Wir stehen hier vor einem Buche, dem ältesten der Welt, das in Buchstabenschrift verfaßt ist, in welchem auch Israel den Vorrang einnimmt. An die Spitze der gänzlichen menschlichen Literatur, wie sie genannt werden muß. müssen wir unbedingt und in erster Linie die civile und religiöse Verfassung der Israeliten stellen. Sie ist eine Urkunde, auf welche die Juden mit Fug und Recht stolz sein dürfen, denn die Principien, welche zum ersten Male dort niedergelegt wurden, sind bis auf den heutigen Tag »och die Grundlagen jeder richtigen Gesetzgebung. Diese Thora giebt ein faßbares Zeugnis von dem Dasein Gottes und von seiner vorsehenden Vermittlung in menschlichen Dingen. Einige Gelehrten leiten das Wort Israel von einer, von mir verschiedenen Wurzel ab, indem sie es mit „Jhsreh-El" wiedergeben, d. h. „der Soldat Gottes" oder „der Kämpfer zu Ehren Gottes". Nun, während beinahe vierzig Jahrhunderten mit nur geringen Unterbrechungen des Verfalles, haben Israel und seine Erben vor der Welt einen geistigen, heiligen und einzigen Gott bewiesen, der mit den menschlichen Wesen Mitleid übt und während mehr als dreißig Jahrhunderten bezeugt, daß das mosaische Gesetz göttlicher Eingebung ist. Dieses bildet für mich das Hauptverdienst und die Ehre des Volkes Israel und beweist, daß die Offenbarung, welche Gott der Welt enthüllt hat, schon lange vor unserer heutigen Zeitrechnung verkündet worden ist. Jedem Menschen, der heutzutage zu mir träte um mich zu fragen, welches die Zeichen Gottes wären indem er einerseits die heiligen Schriften der Israeliten durchblätterte und andererseits sie verschwiege, diesen würde ich als anmaßend und trügerisch zurückweisen. Gott selbst hat die Wahl bestimmt, die ihm in Seiner hohen Weisheit zustand und mir ist nicht zur Kenntnis gekommen, daß Er sie seitdem hätte ersetzen wollen. Ich also, als Christ, erkläre mich zum Schuldner Israels, für den hohen, der ganzen Menschheit gewährleisteten, so glorreichen Dienst. Ich bin überzeugt, daß dem Volke Israel die ruhmvollen Tage bevorstehen, welche ihm seine Propheten geweissagt. „Die Gnaden und Bestimmungen Gottes