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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-10-01 · Heft 10 (1.10.1897) · p. Seite 219

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 10 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 219 (sequence 3)
Language
German
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219 den Zionismus als die Heimkehr zum Judentum vor der Rückkehr in's Judenland und als einen Friedensstifter. Der Vicepräsident Herr Dr. Max Nordau sprach über „die allgemeine Lage der Juden" und wies auf die überall herrschende Judennot hin, die im Osten eine sachliche, im Westen eine sittliche sei. Wie man letzterer sonst als durch den Zionismus begegnen könnte, dafür hatte der Redner kein Wort, weil kein Verständnis. Wir müssen es als ein Haschen nach Originalität ansehen, wenn der Redner die Emancipation als nur aus Prinzipienreiterei gegeben bezeichnet, was sich historisch nicht begründen läßt. Auf's allerentschiedenste muß es zurückgewiesen werden, wenn Nordau meint: „Seine besten Kräfte braucht der Jude zur Verhüllung seines eigenen Wesens. Innerlich verkrüppelt ist es äußerlich unächt und hat nie das Lustgefühl sich zu geben, wie es wirklich ist." Auch des Redners maßlose Ausfälle gegen die Reichen in Israel waren nicht am Platze und bedürfen der Einschränkung. Wir können doch nicht unsere Reichen durchweg als Geldprotzen bezeichnen, die verachten was wir Hochhalten. Es wurden auf dem Congresse sodann Referate über die Lage der Juden in den verschiedensten Ländern erstattet und zwar von den Herren Rechtsanwalt Schauer über Deutschland, Dr. Mintz über Österreich, Dr. Salz über Galizien, Dr. Ronai über Ungarn, Belkowsky über Bulgarien, S. Pineles über Rumänien, Dr. Ebner über Bukowina, A. Rosenberg über Amerika und S. Bahar über Algerien. Die Herren Dr. Birnbaum und Dr. Farbstein referierten über „die Begründung des zionistischen Programms" und zwar erster vom kulturellen und letzterer vom wirtschaftlichen Standpunkte. Herr Rechtsanwalt Dr. Bodenheimer hielt ein Referat über die Organisation. Er schlug die Gründung einer jüdischen Bank vor und verlangte zum Zwecke der Agitation die Gründung von Volksbibliotheken, die Herausgabe hebräischer Klassiker. Durch Wanderredner und eine gut organisierte Presse sollte für den Zionismus gewirkt werden. Die Beratungen über die Partei-Organisation ergab die Annahme des diesbezüglich vorgelegten Entwurfes, wornach der Congreß als das oberste Organ erklärt wird, von welchem ein Aktionscomite aus 23 Mitgliedern gewählt wird, wovon 18 auf die verschiedenen Länder entfallen, während die anderen 5 mit executiver Gewalt ihren Wohnsitz in Wien haben müssen. Nach den vorgenommenen Wahlen erstatteten die Herren Dr. Schnierer und Dr. Kaniinka ihre Referate über die Kolonisation Palästinas und Herr Dr. Ehrenpreis über „Hebräische Litteratur". Bei der Schlußsitzung hielt auch Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Basel eine Ansprache, in welcher er sagte, er und seine Kollegen hätten die Zionistische Bewegung unterschätzt und wenn die orthodoxen Rabbiner dieselbe nicht unterstützen, so geschieht es nur, weil sie fürchten, daß die Leitung die Orthodoxen im Lande Vergeivaltigen könnte und sie zwingen würde, die Heiligkeit der Sabbate und Festtage und die specifisch jüdischen Landesgesetze zu übertreten. Herr Dr. Herz! erwiderte dem besorgten Herrn daß diese Befürchtung unbegründet sei und dankte der Stadt Basel und ihren Bewohnern» der Schweizer Regierung und den christlichen Zionisten für ihre dem Congresse

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