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Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen · 1897-10-01 · Heft 10 (1.10.1897) · p. Seite 218

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Journal
Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
Volume
17 (1897)
Issue
Heft 10 (1.10.1897)
Date
1897-10-01
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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218 abbringen lassen, sondern miissen als Deutsche und Inden den schweren Kampf politischer und sozialer Gleichberechtigung, mit Ausdauer und Entschlossenheit planmäßig und zielbewnßt weiter führen, wir dürfen ans einer leicht erklärlichen Verbitterung nicht Phantomen nachjagen, die unsere schwer errungene Gesinnung und Stellung gefährden und zu vernichten drohen. Wir Juden bilden wie die Katholiken, wie die Protestanten oder andere religiöse Vereinigungen auch nur eine besondere Religionsgemeinde und gehören sonst mit Herz und Seele dein Lande an, in dem wir leben, für das wir wirken und für das wir, gleich den anderen Bürgern, wenn es notthnt, unser Leben einsetzen. Die Reform, die vielgeschmähte, hat das unbestreitbare Verdienst, diesen Weg, der leider vielfach auch von tonangebenden Großgenieinden, die darin beispielgebend sein sollten, verlassen wurde, vorgezeichnet zu haben Der Zionismus birgt aber auch große Gefahren für die Juden in sich, er ist die erste unheilvolle Frucht des Antisenlitismus, sein erster greifbarer für uns trauriger Erfolg. Wenn Herr Samuel Mohilewer, Oberrabbiner von Byalistok, ein orthodoxer Jude von echtem Schrot und Korn, dem die Culturbewegungen innerhalb des Judentums und der Menschheit ein Fremdes sind, und der um Jahrhunderte in seinem geistigen Leben zurückgeblieben, für die Bildung eines jüdischen Staates in Palästina schivärmt und eintritt, so können wir uns das erklären, betet er ja täglich wie alle orthodoxen Juden wiederholt um die Aufrichtung Zions, um die Wiederherstellung des Opferdienstes und schließt die Abendfeier des Freiheitsfestes allen Ernstes mit dem vorgeschriebeneu Satze: „Im nächsten Jahre in Jerusalem". Aber wie um alle Welt kommen Männer vom Schlage Tr. Herzels und Dr. Nordau's dazu, in einer solch wichtigen, tiefeinschneidenden Frage, trotz aller Abmahnungen sogar von Seite der Orthodoxen, die sich in Deutschland mit den Reformern zu einem Proteste gegen die zionistischen Bestrebungen aufgeschwungen haben, nicht auf die Stimme berufener Männer zu achten und auf eigene Faust eine Bewegung in Gang zu bringen, deren unheilvolle Folgen sich nicht so leicht iverden abwenden lassen. Es ist hoch an der Zeit, daß wir uns mehr denn je um das Banner der Reform schaaren und Protest erheben gegen den Zionismus, ein ebenso gefährliches wie sinnloses Unterfangen, dem unser Kampf nicht minder gilt wie dem Antisemitismus, dessen unbewußter für uns gefährlicher Bundesgenosse er ist. Wir erfüllen nach diesen Vorausschickungen lediglich unsere Pflicht zeitgeschichtliche Ereignisse zu verzeichnen, wenn wir einen uns zugegangenen Bericht über den Cougreß hier folgen lassen, der uns einen Einblick in den Gang der Verhandlungen gewährt, an dem Nichtzionisten sich nicht beteiligen durften: Der Cougreß wurde durch Herrn Dr. moä. K. Lippe aus Jassy eröffnet mit einer Ansprache in welcher er denselben als einen Protest gegen achtzehnhundertjährige Bedrückung bezeichnete. Auf seinen Antrag wurde eine Huldigungsdepesche an den Sultan, den Souverän Palüstina's, abgeschickt. Hierauf hielt Herr Dr. Theodor Herzl, der Verfasser des „Judenstaat"» die Seele des Congresses und dessen Präsident die Begrüßungsrede. Er bezeichnete

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