Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1897)
- Date
- 1897-09-01
- Page
- Seite 210 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969847--5182-2974473- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
c' - ---V 2-«" — 210 — d«m Ewigen, deinem Gotte", ohne jede Weltflncht, ohne allen Pessimismus, es hat als Zuknnftshoffnnng die Erziehung des Menschengeschlechtes zu dem Endziel: „daß alle Menschen einen Bund bilden mögen, Gottes Willen zu erfüllen mit aufrichtigem Herzen". Dies der Kern des Judentums. Die Formen wechseln, haben gewechselt, werden wechseln, der Kern ist unverlierbar. — Die Lehranstalt ftir die Wissenschaft des Judentums in Berlin hat am 27. Mai das Fest des fünsundzwanzigjährigen Bestehens gefeiert. Nach einleitendem Chorgesang erstattete im Namen des Kuratoriums der Anstalt Herr Sanitätsrat Dr. Neumann historischen Bericht über die verschiedenen vergeblichen Anläufe, die schon vor siebenzig und sechzig Jahren zur Begründung eines ähnlichen Instituts in Berlin gemacht waren, und über das stolze Gelingen des Werkes, das vor einem Vierteljahrjahrhundert thatkräftigst und vertrauensvoll ins Leben gerufen worden. Aus welchem Geiste der Plan der Anstalt hervorgegangen, davon war der Redner des Kuratoriums selbst der beste Zeuge durch seine Persönlichkeit, wie durch seine geistvollen und warmen Worte. Freudigen Herzens begrüßte er die stattliche Versammlung, die von der Judenheit gezeitigter Verwandlung Kunde giebt und uns mit froher Zllversicht erfüllen darf, daß auch „die Tage innerer Verwüstung" nicht tm Stande sind, die Schaar der Treuen aus der Juden geistige Heimat zu verdrängen. Die Rede ist inzwischen im Drucke erschienen. In ähnlichem Sinne sprach im Namen des Lehrkörpers desseil Senior und stolzeste Zier, Professor Steinthal, der berufenste Mann unserer Tage, für die Wissenschaft des Judentums ein Führer und Prophet zu sein, ein Führer zu der Freiheit, auf der allein wissenschaftlicher Sinn gepflegt werden kann und ein Künder der überlieferten Heilswahrheiten, die ewig sind, weil ihre Deutung und ihr Verständnis in der Zeiten Wandel wechseln. Im Namen der ehemaligen Zöglinge der Anstalt gab Herr Dr. Hochfeld aus Frankfurt an der Oder den Gefühlen der Pietät für die Lehrer und ihre Unterweisung Ausdruck. Herr Justizrat Meyer dankte namens der Berliner Gemeinde dein Knratorium für seine Mühewaltung. — Otto Sreck schreibt in seiner „Geschichte des Untergangs der antiken Welt" (1895 Bd. I.) über die Juden: „Wieder und wieder sind sie (die Juden) durch die grause Zuchtwahl des Völkermordes veredelt worden; mit welchem Erfolge, das zeigt die Neuzeit, in der sie von dein neuverliehenen Rechte, an der geistigen Arbeit der Neuzeit unbeschränkten Anteil zu nehmen, in so glänzender Weise Gebrauch machen." — Eine Trauerfeier für Geheimrat Goldschmidt, der am 16. Juli in Wilhemshöhe gestorben, fand am 19. Juli in Berlin unter Anwesenheit mehrerer Vertreter des Justizininisteriums und des Kultusministeriums, des Rektors der Universität Geheimrat Brunner und zahlreicher Professoren derselben statt, unter welchen sich die Geheimräte Mommsen, v. Cuny, Weinhold, Jokobi, Wolf befanden. Die Gedenkrede hielt der Prediger der jüdischen Reformgemeinde Herr Dr. Lewin. — Die von dem verstorbenen Geheimen Kommerzienrat Gerson von