Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1897)
- Date
- 1897-09-01
- Page
- Seite 201 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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M -. ■ - " ■ - '■ ' ' ::' — 201 — stellung seiner Werke fand vor vier Jahren in St. Petersburg statt und damals erst wieder nach dreizehn Jahren. Aber nicht leicht ward dem Künstler die Erzwingung dieser Anerkennung und auch heute selbst fehlt es nicht an heftiger Opposition, die sich aber im Grunde genommen wohl weniger gegen die eigenartige Kunstrichtung des Bildners wendet, als es noch immer mit der Herkunft des Wilna'schen jüdischen Holzschnitzers zu thun hat. - Schwer und düster war die Jugend Antokolski's. Widerstand in der Familie galt es zu beseitigen, als er, nachdem er die Chederschule durchgemacht hatte, sich der „Kunst" widmen und nicht zum Gotte des Handels schwören wollte. Aber der alte Matthäus Antokolski überzeugte sich schließlich, daß man auch mit Holzschnitzen „Geld verdienen" könne. Und er ließ ihn gewähren und Marcus schnitzte darauf los: Kruzifixe, Heiligenstatuetten u. dergl. für die katholische Bevölkerung Wilnas und der Umgegend. Er wurde belobt und angespornt, galt aber doch nur für einen — talentvollen Handwerker. Aus den lähmenden Verhältnissen riß ihn ein günstiger Zufall erst 1862 heraus, als er schon zwanzig Jahre alt war. Ein glaubensverwandter, bedeutender Schriftsteller „entdeckte" ihn. Andere Glaubensgenossen versprachen, ihn in St. Petersburg zu unterstützen. Generaladjutant W. Nachimow, der damalige Chef des Nordwestgebiets, ebnete ihm die Wege zur Akademie, und so konnte er sie denn endlich beziehen, um ein „wirklicher Künstler" zu werden. Professor Pimenau erkannte auch sofort das große Talent des jüdischen Jünglings. Es war noch größer, als er wähnte — denn er wollte seine eignen Wege gehen, und das war in der Akademie nicht leicht. Wohl erhielt er die üblichen Prüfungsanerkennungen, die kleine und die große silberne Medaille; auch ein kleines Stipendium fiel ihm zu, aber — im Übrigen kümmerte man sich herzlich wenig um ihn, oder schlug ihn allenfalls auf die Finger, daß er sich erdreistete, althergebrachter akademischer Classicitätsroutine sein Verständnis und seinen Respect zu versagen. Vor einigen Jahren hat er in der vornehmsten russischen Monatsschrift, dem „Westnik Jewropy” („Europäischer Bote"), in einer Selbstbiographie ausführlich von den vielen bitteren und den wenigen frohen Erfahrungen, den Kämpfen und Täuschungen während seiner langen Lehrzeit berichtet. Es litt ihn schließlich nicht mehr in der Akademie und es gelang ihm, nach Berlin zu ziehen: hier — so meinte er — werde er das gelobte Land des Kunstschaffens finden . . . Aber auch hier Enttäuschungen, auch hier dieselbe Herrschaft unerbittlicher Tradition und unduldsamer Routine . . . Aber auch hier, freilich nach Jahren, dafür dieselbe rückhaltlose Anerkennung, wie sie der heutige russische Akademieprofessor, das Mitglied des Pariser „Institut", der Akademie zu Urbino u. s. w., der Officier des Ordens der Ehrenlegion und Inhaber vieler anderer künstlerischer und sonstiger Auszeichnungen mit der Zeit überall gefunden hat ... .