Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1897)
- Date
- 1897-09-01
- Page
- Seite 200 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2969669-2969837-2969847--5172-2974463- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
deshalb nur schwer zu lesen, und das Heben der in ihnen versteckten Schätze gestaltet sich oft recht mühsam. Professor L. Goldschmidt hat auch im praktischen Leben sehr erfolgreich gewirkt. Seine Tätigkeit als Richter haben wir bereits erwähnt. Goldschmidt hat auch einen umfangreichen Vorschlag über die Reform des juristischen Prüfungswesens in Preußen erstattet, worin er namentlich die in Österreich bestehende Prüfungsordnung zur Nachahmung empfiehlt. In der Tat ist auch bereits in einigen Staaten Deutschlands die Zwischenprüfung nach österreichischem Muster eingeführt. Auch in anderer Richtung war er ein Anhänger der in Österreich bestehenden Universitäts-Verfassung, indem er die Vereinigung der Volks- und Staatswissenschafteu mit der rechtswissenschaftlichen Fakultät befürwortete. Goldschmidt war überhaupt ein warmer Verehrer der Staatswissenschaften und konnte nicht oft genug ihre Bedeutung für die Jurisprudenz hervorheben. Den ungeheueren übermenschlichen Anstrengungen war auf die Dauer auch sein kräftiger Geist nicht gewachsen. Goldschmidt versank, wie hundert Jahre vor ihm der große Königsberger Philosoph Kant, in geistige Umnachtung, aus welcher ihn nun der Tod erlöst hat. Eine glänzende Sonne ist wie ein mattes kleines Talglicht langsam erloschen. Seine Bedeutung reicht aber weit über sein Leben hinaus, und seine Werke werden ein reiches Arsenal noch für künftige Generationen von Juristen und Rechtshistorikern bleiben. Wareus Antokolski. Über diesen jüdischen Künstler bringt die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" nachstehende Skizze: Rußlands im Auslande bekanntester und ohne Zweifel wohl auch genialster Bildhauer hat jüngst in St. Petersburg sein 25jähriges Künstlerjubiläum gefeiert unter regster Beteiligung der Kunstkreise und des Publikums. Daß zu diesen Kunstkreisen auch die kaiserliche Akademie der Künste gehört, versteht sich von selbst, auch abgesehen davon, daß Antokolski seit 17 Jahren die Professorwürde bekleidete und Mitglied des „Akademischen Instituts" ist, das vor drei Jahren in's Leben trat. Der Kaiser verlieh ihm aus Anlaß der Jubelfeier den Rang eines Wirklichen Staatsrats. Die Sympathie auch des großen russischen Publikums für Antokolski, obschon er ein Jude ist und obgleich er seit 1880 seinen ständigen Wohnsitz in Paris hat, beweist wohl an: besten, daß ein großer Künstler noch immer sich allgemeine Anerkennung zu erzwingen weiß. Gebuhlt hat Antokolski um sie nie und am allerwenigsten in seinem Vaterlande, wo er nur selten Ausstellungen veranstaltet und sich an den Jahresausstellungen fast nie beteiligt hat. Die letzte Aus-