Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1897)
- Date
- 1897-09-01
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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sie haben zur Ehre Deutschlands gewirkt und nie fiel es Jemandem ein, ihr geistiges Inventar als speciell den Juden gehörend zu reclamiren. Und doch nehmen es sich einzelne Deutsche, denen man zumeist slavische oder jüdische Abkunft Nachweisen kan», heraus, die Juden gar nicht als Deutsche anerkennen zu wollen und was noch schlimmer ist, es finden sich wahrhaft Deutsche, die solchen Verrätern , welche durch ihr frevelhaftes Gebühren die deutsche Nation schwächen wollen, zujubeln. Im Übrigen, was der liebe Gott thut, ist wohlgethan. Man muß die auferlegte Prüfung mit Deniut, wenn auch ohne Furcht und Zagen ertragen und mit dein Spruche unserer Weisen sich trösten: Auch das führt^zum Guten! Die in dem heutigen humanen und fortgeschrittenen Zeitalter für unmöglich gehaltene wilde Hetze gegen die Juden wird immerhin auch einen guten Erfolg haben. Es wird die Juden aus ihrer Lethargie auswecken, sie werden zu dem modernen Mittel der Selbsthilfe, zur Association greifen, sie werden dann bald als ein Factor auf dem Plane erscheinen, mit dem man wird rechnen inüssen. Ich begrüße Ihren Plan, der die Association und Organisation der Juden betrifft, aus vollem Herzen. Diese Association ist, wenn auch nicht leicht, immerhin durchführbar und was bedeutet Mühe, wenn es sich um eine so große erhabene Sache handelt!" Der Staatsmann äußerte sich folgendermaßen: „Ich kann nicht umhin, Ihnen zu sagen, daß der ganze Antisemitenrummel lange nicht diese Dimensionen angenommen hätte, wenn die Juden selbst an maßgebender Stelle zur rechten Zeit eingeschritten wären. Personen, die ein gemeinsames materielles oder ideales Interesse haben, bedürfen einer Executive, welche dir Interessen dieser Vereinigung nach außen vertritt. Die Advocaten haben nichts anderes gemein, als ihren Beruf, Ärzte und Handelstreibende haben ihre gemeinsame Vertretung nach außen; wer es wagen würde, den ärztlichen oder Advocaten- Beruf als solchen anzugreifen, der würde sofort einen gewaltigen Gegner vor sich haben. Die Juden haben ein gemeinsames großes ideales Gut, das ist ihre Religion; wer die Religion schmäht, verletzt jeden einzelnen Angehörigen derselben und trotzdem haben sie in dieser Beziehung keine gemeinsame Vertretung, um einem Lästerer entgegenzutreten und ihn zur Verantwortung zu ziehen. Allerdings sind Gesetze da, welche die Religionen schützen sollen, aber die besten Gesetze taugen nicht, wenn sie nicht angerufen werden, weil selbst Behörden unwillkürlich in deren Anwendung lässig werden. Ein Weltverein auf der Basis, wie Sie ihn angeben, ist allerdings durchführbar, allein es bedarf desselben gar nicht, eine einfache Vereinigung der Cultusgemeinden in Österreich und die Schaffung einer diesbezüglichen Executive wäre vollkommen genügend. Seien Sie versichert, daß. wenn eine Vertretung mit