Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Journal
- Populär-wissenschaftliche Monatsblätter zur Belehrung über das Judenthum für Gebildete aller Confessionen
- Volume
- 17 (1897)
- Issue
- Heft 9 (1.9.1897)
- Date
- 1897-09-01
- Page
- Seite 195 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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195 Herzen teuer ist, Ihrer Meinung auf dem umstehenden Blatte Ausdruck zu geben und dasselbe umgehend zurückzusenden. Berlin, im Juni 1897. Hochachtungsvoll Siegfried Brünn, Adolf Ginsberg, Dr. P. Haac, Rechtsanwalt und Notar, Leopold Jacobi, Stadtverordneter, Julius Joelsohn, PaulJüdel, L. Kalisch, Stadtverordneter, Jacob Landsberger, königl. Kommerzienrat, Gustav Levinstein, Schloß Lichterfelde, Dr. Mendelsohn, Privatdozent an der königl. Universität, Albert Philipp Meyer, Professor Dr. Philippson, Albert Rathenau, Eugen Rosenstiel, I. Rosenthal, Siegfried Sachs, Hermann Salomon, Dr. Julius Schneider, Oberlehrer, Dr. A. Seligsohn, Rechtsanwalt und Notar, Professor Dr- Steinthal, Dr. Wollner, Geh. Sanitätsrat. Die beiden Fragen, welche in dem Schreiben gestellt werden, lauten wie folgt: 1. Würden Sie es für wünschenswert halten, daß neben dem Sabbathgvttesdienst eine religiöse Feier mit Predigt an den Sonntagen in den Synagogen stattfindet? 2. Sind Sie damit einverstanden, daß ein bez. Antrag dem Vorstande der jüdischen Gemeinde unterbreitet wird? Drei interessante Interviews. Herr Dr. Ludwig Ernst in Wien, der für Association und Organisation unter den Juden in seinen jüngst erschienenen Schriften eifrig thätig ist, hat eine hohe kirchliche Persönlichkeit, einen berühmten Seelsorger jüdischer Confession und eine hervorragende politische Persönlichkeit ausgesucht, um deren Meinung über den Antisemitismus zu hören und berichtet in seiner neuesten Schrift: Die Juden, die verjudeten. Christlichsocialen und Deutschnationalen: „Ich bin — sagte der Kirchenfürst — ein großer Freund und Verehrer des Judentums und was meine Kirche betrifft, so kann ich Sie versichern, daß eine Animosität oder Feindschaft gegen die Juden nicht besteht. Die Kirche duldet eine solche gar nicht! Wir nehmen ja sogar die Juden gerne in die Gemeinschaft unserer Kirche auf und ihr früheres Judentum hindert uns nicht, ihnen die höchsten Stellen der kirchlichen Hierarchie zu verleihen. Ehrlich gestanden, hatten wir es auch nie zu bereuen, denn viele von ihnen wurden Zierden der Kirche und der Fall, daß ein Jude sich unwürdig bewiesen hätte, ist nicht vvrgekommen. Wenn es gleichwohl hie und da geschieht, daß ein untergeordneter Seelsorger sich über die Juden feindselig äußert, ist das wohl nur auf den individuellen Charakter des Einzelnen zurückzuführen und — meinte lächelnd der würdige Herr — auch daran sind die Juden zum Teile schuld. Wenn sich Jemand in abfälliger Weise über das Christentum äußert und die Behörden aus Unkenntnis des Falles oder aus Lässigkeit den Frevler nicht zur Verantwortung zögen, würde die kirchliche Ober-